Terrorkrieg in Indien: Drei schwere Explosionen erschüttern Bombay
zuletzt aktualisiert: 27.11.2008 - 12:53Bombay (RPO). Die Lage in Bombay wird immer unübersichtlicher. Indische Medien berichten von drei weiteren Explosionen in zwei Luxus-Hotels und einer Wohnanlage. Sicherheitskräfte hatten zuvor das von Terroristen besetzte Hotel Taj Mahal gestürmt. Dabei befreiten sie Geiseln, stießen jedoch auch auf Leichen. Mehr als 100 Menschen kamen seit gestern Abend ums Leben. Unter den Opfern ist auch ein Deutscher.
Deutsches Opfer Unter den Todesopfern ist auch der Medienunternehmer Ralph Burkei, ehemaliger Vizepräsident des TSV 1860 München und früherer Schatzmeister der Münchner CSU. Das bestätigte sein Mitgesellschafter Ralph Piller in München. Burkei sei bei dem Versuch, sich aus dem Hotel Taj Mahal zu retten, abgestürzt und offenbar auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.
Explosionen Worum es sich bei den jüngsten Detonationen am Donnerstag Vormittag (MSZ) handelte ist noch unklar. In indischen Medien hieß es, die Explosionen hätten sich in den Luxushotels Taj Mahal und Oberoi-Trident sowie in der Büro- und Wohnanlage Nariman House ereignet, die zuvor von mutmaßlichen Islamisten angegriffen worden waren.
Hotel gestürmt Zuvor hatten Sicherheitskräfte das besetzte Luxushotel Taj Mahal gestürmt. Bei der Durchsuchung des Hotels "Zimmer für Zimmer" hätten die Polizisten und Soldaten keine Anzeichen für eine Geiselnahme festgestellt, sagte der Polizeichef des Bundesstaates Maharashtra, A.N. Roy, dem indischen Sender NDTV. Allerdings hätten die Beamten mehrere Leichen gefunden.
Überlebende In den Zimmern des Hotels seien Gäste, über ihre Anzahl könne er aber keine Angaben machen. Roy ging davon aus, dass im Luxushotel Oberoi Trident und in der Wohn- und Büroanlage Nariman House Geiseln genommen wurden.
Im Taj Mahal Zuvor hatte der Armeechef der westindischen Bundesstaaten Maharashtra, Goa und Gujarat, R.R. Hooda, mitgeteilt, im Taj-Mahal-Hotel würden schätzungsweise 40 bis 50 Geiseln von schwer bewaffneten Islamisten festgehalten. Es handelte sich demnach um vier bis fünf Geiselnehmer. Vor dem Luxushotel Taj Mahal, das teilweise brannte, fuhren Krankenwagen auf. Journalisten wurden zurückgedrängt. Polizisten gaben in Lautsprecherdurchsagen das Ausgehverbot bekannt. In den beiden Hotels sowie in Nariman House, zu dem ein alter jüdischer Gebetsraum gehört, wurden mehrere US-Bürger, Israelis und Kanadier vermutet. Der stellvertretende Regierungschef von Maharashtra, R.R. Patil, sagte, mit den Terroristen seien keine Verhandlungen aufgenommen worden.
Nächster Schauplatz Oberoi? Die Behörden nehmen den Medienberichten zufolge nun das Oberoi in den Fokus. Indische Medien berichten von Angriffen auf das Oberoi und ein weiteres Hotel. Im Oberon befinden sich vermutlich zahlreiche weitere Geiseln. Von hundert bis 200 Menschen ist die Rede. Auf den Dächern von Gebäuden nahe des Oberoi-Hotels waren Soldaten postiert. Auf einem aus einem Fenster gehängten Transparent war zu lesen "Rettet uns".
Die Attentäter Eine bislang unbekannte Gruppe namens Deccan Mujahideen hatte sich in E-Mails an indische Medien zu der Anschlagsserie bekannt. Die Muslime in Indien sollten nicht länger verfolgt werden, sagte einer der im Hotel "Oberoi Trident" verschanzten Angreifer am Donnerstag in einem Telefongespräch mit dem Fernsehsender India TV. Im Namen der Organisation "Deccan Mujahedeen" forderte er, alle in indischen Gefängnissen sitzenden radikalen Muslime freizulassen.
Über 100 Tote Bei den nach Darstellung der Polizei koordinierten Terroranschlägen wurden in der Nacht zum Donnerstag TV-Berichten zufolge mehr als hundert Menschen getötet und 200 verletzt. Gruppen schwer bewaffneter Angreifer stürmten wild um sich schießend zwei Luxushotels, ein beliebtes Restaurant, Krankenhäuser und einen Bahnhof. Sie benutzten Handgranaten und Maschinengewehre.
Ausländer gesucht Augenzeugen zufolge suchten die Angreifer gezielt Briten und Amerikaner. Im Taj Mahal hätten sie gerufen: "Wer hat amerikanische oder britische Pässe?" berichtete der Brite Ashok Patel, der aus dem Hotel entkam. Dort wohnte auch eine europäische Parlamentariergruppe. Zwei Deutsche Abgeordnete erlebten die Angriffe hautnah.
Die Opfer Aus Krankenhäusern verlautete, unter den Toten sei ein Japaner und neun Europäer seien verletzt eingeliefert worden. Alle seien aus dem Taj Mahal. Polizeisprecher A.N. Roy sagte, unter den Toten seien drei ranghohe indische Polizisten - darunter auch der Chef der Antiterroreinheit. Beschossen wurden auch zwei Krankenhäuser.
Jüdische Gruppe angegriffen Indischen Medienberichten zufolge ist der Sitz einer ultraorthodoxen jüdischen Gruppe während der Anschlagswelle in Bombay von bewaffneten Männern besetzt worden. Vertreter der in New York ansässigen Organisation Chabad Lubavitch sagten dazu, das israelische Konsulat habe telefonischen Kontakt mit einem Rabbiner gehabt, der in dem Haus wohnt. "Die Verbindung wurde mitten im Gespräch getrennt. Seitdem wurde kein weiterer Kontakt hergestellt." Auf der Webseite der Organisation hieß es, Berichte über eine Besetzung des Chabad-Lubavitch-Zentrums könnten nicht bestätigt werden. Indische Medien berichteten unterdessen über einen Einsatz von Sicherheitskräften gegen eine Gruppe von bewaffneten Männern, die einen Rabbiner als Geisel genommen hatte.
Sechs mutmaßliche Täter Schießereien wurden auch von einem Bahnhof, einer Polizeiwache und von Leopold's Restaurant gemeldet, einem beliebten Touristenziel. Dabei wurden auch teilweise Handgranaten gezündet. Polizisten schossen zurück und versuchten, die Angreifer zu überwältigen. Bei verschiedenen Gefechten seien insgesamt sechs Verdächtige erschossen und neun verhaftet worden, teilten die Behörden mit.
Bundesregierung Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der indischen Regierung Hilfe angeboten. In einem Beileidsschreiben an Premierminister Singh drückte sie ihr Mitgefühl aus und verurteilte die terroristischen Taten scharf. Gleiches äußerte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).
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