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Afghanistan: Drei Zivilisten sterben durch deutsche Waffen

zuletzt aktualisiert: 29.08.2008 - 21:19

Berlin (RPO). Bei einem Zwischenfall mit deutschen Soldaten in Afghanistan sind drei Menschen ums Leben gekommen. Die Bundeswehr hat am Freitagabend nach eigenem Statement auf der Homepage in einer Stellungnahme für den Bundestag eingestanden, dass deutsche Soldaten auf afghanische Zivilisten geschossen haben.

Den Angaben zufolge näherten sich am Donnerstagabend um 21.52 Uhr Ortszeit zwei zivile Fahrzeuge einem von deutschen ISAF-Kräften und afghanischer Polizei besetzten Checkpoint. Da die Wagen trotz mehrerer Warnschüsse nicht anhielten, sei das Feuer auf die Autos eröffnet worden. Eine Frau und zwei Kinder wurden getötet, zwei weitere verletzt.

Nach Angaben des Ministeriums waren am Donnerstagabend zwei zivile Fahrzeuge südöstlich des Bundeswehrstützpunktes Kundus auf einen Kontrollpunkt zugefahren, der von der afghanischen Polizei und deutschen ISAF-Soldaten gemeinsam eingerichtet wurde. "Trotz eindeutiger Kennzeichnung und trotz eindeutiger Zeichen der eingesetzten Kräfte setzten die Fahrzeuge ihre Fahrt auf den Checkpoint fort", heißt es in der offiziellen Erklärung. Daraufhin sei geschossen worden.

Schüsse höchstwahrscheinlich aus deutschen Waffen

Die Bundeswehr hat am Freitagabend in einer Stellungnahme für den Bundestag eingestanden, dass deutsche Soldaten auf afghanische Zivilisten geschossen haben. Nach ersten Ermittlungen der Bundeswehr stehe fest, dass die "zur Sicherung eingesetzten Kräfte" das Feuer eröffneten, heißt es auf der Homepage der Bundeswehr. Die tödlichen Kugeln stammten demnach aller Wahrscheinlichkeit nach aus deutschen Waffen. Es gebe jedoch derzeit "keinen Grund, den deutschen Soldaten einen Vorwurf zu machen".

Zuerst hätten deutsche Soldaten und afghanische Kräfte Warnschüsse in die Luft abgefeuert. Da das Fahrzeug nicht angehalten haben, hätten deutsche Soldaten, die "auf einem geschützten Dingo" etwa 100 Meter vom Checkpoint entfernt bereit standen, das Feuer eröffnet. Anhand von Spuren am Tatort sei es sehr wahrscheinlich, dass die tödlichen Schüsse auf das Auto "aus deutschen Waffen" abgefeuert wurden.

Minibus kam von einer Hochzeit

"Spiegel online" hat nach eigenen Angaben mit dem Gouverneur der Provinz Kunduz, Mohammad Omar, gesprochen. Er habe berichtet, der beschossene Minibus sei von einer Hochzeit in der Region Takhar gekommen. Der Fahrer des Minibusses habe Mitarbeitern seines Büros gesagt, er habe an dem Abend einen schweren Fehler begangen. "Meinen Leuten schilderte der Fahrer, dass er Angst vor den Soldaten hatte und deshalb so schnell umdrehte", wird Omar zitiert.

Ministeriumssprecher Raabe betonte, nach dem Tod eines Bundeswehrsoldaten, der am Mittwoch in eine Sprengfalle gefahren war, sei die Lage rund um Kundus angespannt. Es gebe immer wieder Warnungen vor mit Sprengstoff beladenen Autos. Im Norden des Landes habe es in diesem Jahr 25 Zwischenfälle, meist im Raum Kundus, gegeben.

Der beim Anschlag getötete Soldat soll am Samstag nach Deutschland übergeführt werden. Am Montag wird dann die Trauerfeier stattfinden. Der 29 Jahre alte Hauptfeldwebel war Angehöriger des in Zweibrücken stationierten Fallschirmjägerbataillons 263. An der Feier werden auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, teilnehmen.

Quelle: afp

 
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