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Vier Palästinenser bei Angriff im Gazastreifen getötet: Drohung: Israel will Arafat abschieben

zuletzt aktualisiert: 09.09.2004 - 16:19

Jerusalem/Gaza (rpo). Israel legt in seinem Kurs gegen Palästinenserpräsident Jassir Arafat an Schärfe zu. Außenminister Silvan Schalom sagte am Donnerstag im öffentlichen israelischen Rundfunk: "Der Tag, an dem wir ihn hier 'rauswerfen, ist noch niemals so nahe gewesen".

Bei einem Einsatz im Norden des Gazastreifens tötete die israelische Armee zudem vier Palästinenser. Im Westjordanland überrollte ein Armeejeep einen palästinensischen Jugendlichen, der Steine auf Soldaten warf. Die israelische Regierung erließ wegen befürchteter Anschläge eine Reisewarnung für Ägypten, insbesondere für die Sinai-Halbinsel.

Außenminister Schalom nannte Arafat einen "Terroristen", mit dem nicht zu diskutieren sei. Für ihn sei "kein Platz bei uns". Vorerst werde Israel den Palästinenserpräsidenten weiterhin in seinem Hauptquartier in Ramallah im Westjordanland isolieren. Am Montag hatte bereits der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas erklärt, Israel sei entschlossen, Arafat im geeigneten Moment "zu verbannen". Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einer "sehr ernst zu nehmenden Drohung". Die israelische Regierung zeige damit, dass sie darauf aus sei, "den Friedensprozess zu zerstören". Laut Erakat beabsichtigt die israelische Seite, Arafat zu töten.

Bereits mehrfach mit Ausweisung gedroht

Ministerpräsident Ariel Scharon drohte Arafat bereits mehrfach mit Ausweisung und indirekt auch mit Tötung. Die israelische Armee hält den Palästinenserpräsidenten seit Dezember 2001 in Ramallah faktisch unter Hausarrest. Am 11. September 2003 traf das israelische Sicherheitskabinett die Grundsatzentscheidung, sich Arafats zu "entledigen". Es warf dem Palästinenserpräsidenten vor, Selbstmordanschläge nicht verhindert zu haben und das "Haupthindernis für den Frieden" zu sein. Die israelische Initiative stieß seinerzeit weltweit auf Protest. Scharon nahm daraufhin davon Abstand - unter anderem auf Druck von US-Präsident George W. Bush.

Bei dem von Kampfhubschraubern unterstützten israelischen Militäreinsatz im nördlichen Gazastreifen wurden insgesamt vier Palästinenser getötet. Soldaten hätten im Flüchtlingslager Dschabalia das Feuer auf Steinewerfer eröffnet und dabei drei Menschen tödlich getroffen, unter ihnen einen Elfjährigen, verlautete von palästinensischen Ärzten und Sicherheitskräften. 36 weitere Palästinenser wurden demnach verletzt. Zuvor war ein 20 Jahre alter Palästinenser bei einem Schusswechsel ums Leben gekommen; er gehörte nach palästinensischen Angaben der radikalislamischen Hamas an.

Die israelische Armee ist seit Mittwoch in der Nähe von Dschabalia im Einsatz, um dort den Abschuss von Kassam-Raketen auf israelisches Gebiet zu verhindern. Zuvor waren sieben Raketen dieses Typs auf Ziele im Süden Israels abgefeuert worden, ohne jedoch Schaden anzurichten. Wie am Donnerstag aus der israelischen Armee verlautete, feuerten Unbekannte trotz des Militäreinsatzes erneut eine Kassam-Rakete aus dem Gazastreifen ab; das Geschoss sei in der israelischen Negev-Wüste eingeschlagen, habe aber niemanden verletzt.

15-Jähriger getötet

Im Flüchtlingslager El Amari bei Ramallah tötete die israelische Armee nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte einen 15-jährigen Steine werfenden Palästinenser, indem ein Geländewagen ihn zwei Mal überfuhr. Der Armee zufolge war der Geländewagen in das Flüchtlingslager eingedrungen, nachdem die jüdische Siedlung Psagot oberhalb von Ramallah mutmaßlich von El Amari aus beschossen worden war.

Auf einem moslemischen Friedhof in Bethlehem brachte die israelische Armee drei von mutmaßlichen palästinensischen Extremisten versteckte Sprengsätze kontrolliert zur Explosion. Dabei wurden palästinensischen Angaben zufolge drei Gräber beschädigt - eines davon so stark, dass die darin bestattete Leiche freigelegt wurde. Fünf Stunden nach der Sprengung wurde sie in einem anderen Grab erneut beerdigt, wie das Büros für moslemische Kultstätten in Bethlehem mitteilte.

Quelle: afp

 
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