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Karikaturen-Streit: Drohungen gegen Europäer ausgeweitet

zuletzt aktualisiert: 02.02.2006 - 22:04

Gaza (rpo). Im Streit um den Nachdruck von Karikaturen des Propheten Mohammed in europäischen Zeitungen drohten radikale Palästinenser damit, Europäer im Westjordanland zu entführen, sollten sich die Regierungen der Länder nicht für den Abdruck der Cartoons entschuldigen. In Nablus wurde ein Deutscher verschleppt, der nach kurzer Zeit aber wieder freigelassen wurde.

Die Polizei stellte die Entführer am Donnerstagabend umgehend und befreite die Geisel nach weniger als einer Stunde, wie der Sicherheitschef von Nablus, Rafah Al Rewadschba, mitteilte.

Neben ihm saß der befreite Deutsche, der unverletzt blieb. Die Polizei gab seinen Namen mit Christopher Kasten an. Der 21 Jahre alte Mann ist Englischlehrer an einer Schule in Nablus. Er war nach Angaben eines Hotelangestellten von zwei bewaffneten Palästinensern aus einem Hotel in der Altstadt verschleppt worden. Al Rewadschba erklärte, die Polizei habe vier Entführer gestellt und zwei von ihnen festgenommen.

Der Sicherheitschef verurteilte die Tat: "Das Schlimmste im Leben ist es, Menschen zu kidnappen, die gekommen sind um uns zu helfen." Der Deutsche werde nun zum Amtssitz des Gouverneurs von Nablus gebracht, wo er mit dem deutschen Botschafter sprechen sollte.

Kasten sagte der Nachrichtenagentur AP, die Entführer hätten ihm keine Gewalt angetan. Über deren Motiv machte er keine Angaben. "Ein paar Typen sind gekommen und haben mich mitgenommen und nach einer Stunde wieder freigelassen", sagte Kasten. Er wolle trotz des Zwischenfalls in Nablus bleiben.

Augenzeugen berichteten, ebenfalls in Nablus hätten bewaffnete Palästinenser ein französisches Kulturzentrum geschlossen.

Zuvor hatten Palästinenser am Donnerstag mit Gewalt gegen Dänen, Franzosen, Norweger und Deutsche gedroht. Deren Regierungen müssten sich bis zum Abend entschuldigen, sonst würden sich Europäer aus diesen Ländern Gefahr aussetzen, erklärte ein Extremist in Gaza. Hintergrund ist der Streit über die Karikaturen von Mohammed, die erstmals im September in einer dänischen Zeitung erschienen waren, und nun von mehreren Blättern nachgedruckt wurden.

In Nablus durchsuchten am Donnerstag Mitglieder der Al-Aksa-Märtyrerbrigaden nach eigenen Angaben zwei Wohnungen nach Ausländern durchsucht, um sie zu verschleppen. Die Europäer hätten 72 Stunden Zeit, die Autonomiegebiete zu verlassen, erklärten die Extremisten auf einer improvisierten Pressekonferenz.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lehnte eine Entschuldigung ab. "Warum sollte sich die Regierung für etwas entschuldigen, was in Ausübung der Pressefreiheit passiert ist?" sagte er der Tageszeitung "Die Welt".

Ausländische Journalisten verließen am Donnerstag den Gazastreifen. Die dänischen und französischen Mitglieder eines EU-Teams, das den Grenzübergang Rafah beobachtet, erschienen aus Sorge vor Übergriffen nicht zum Dienst. Norwegen stellte die Arbeit in seinem Büro im Westjordanland ein.

In Gaza-Stadt bezogen bewaffnete Anhänger der Fatah am frühen Morgen Stellung vor dem örtlichen EU-Büro und erklärten es für geschlossen. Alle Palästinenser wurden zum Boykott von Waren aus den vier europäischen Ländern aufgefordert. Den im Gazastreifen anwesenden Bürgern dieser Staaten drohten die Bewaffneten offen Gewalt an, falls bis Donnerstagabend keine Entschuldigung eingegangen sei. Ferner wurden Angriffe auf Kirchen sowie die Schließung von Pressebüros angekündigt, insbesondere das der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Ein Führer der bei der Parlamentswahl siegreichen Hamas, Mahmud Sahar, besuchte demonstrativ eine Kirche im Gazastreifen und sagte den Christen Schutz zu. "Ihr seid unsere Brüder", sagte Sahar dem Geistlichen Pater Manuel Musallam.

Proteste weiten sich auch in anderen Ländern aus

Auch in anderen muslimischen Ländern weiteten sich die Proteste gegen die Bilder aus, die unter anderem den Propheten Mohammed mit einem Turban in Gestalt einer Bombe zeigen. Dabei gossen zwei islamische Zeitungen Öl ins Feuer: Die jordanische Zeitung "Schihan" und die indonesische Zeitung "Rakyat Merdeka" (Online-Ausgabe) druckten eine oder mehrere der Karikaturen nach.

Quelle: afp

 
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