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Geräumtes Flüchtlingscamp
"Dschungel" von Calais - Frankreich beginnt mit Abriss

Arbeiter reißen Hütten im "Dschungel von Calais" ab
Arbeiter reißen Hütten im "Dschungel von Calais" ab FOTO: Christoph Reichwein
Calais . Die beispiellose Räumung des "Dschungels" von Calais verläuft weiter ohne größere Probleme. Den ganzen Tag über verlassen Busse mit Flüchtlingen die nordfranzösische Hafenstadt, Hütten und Zelte werden abgerissen. 

Am zweiten Tag der Räumung des Flüchtlingslagers von Calais haben die französischen Behörden mit dem Abriss begonnen. Arbeiter entfernten am Dienstag leerstehende Zelte und Behelfsunterkünfte in dem riesigen Camp. Dabei blieb es weitgehend friedlich. Nach Angaben des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve erhielten 1636 Flüchtlinge eine neue Unterkunft.

Damit hatten bis Dienstagabend knapp zwei Drittel der schätzungsweise 6500 Migranten das wilde Camp am Rande einer Industriezone der Hafenstadt am Ärmelkanal verlassen.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Ländern wie Afghanistan, Äthiopien, Eritrea und dem Sudan. Viele waren mit der Hoffnung auf eine Weiterreise nach Großbritannien nach Calais gekommen.

Räumung in Calais - Menschen fallen in Ohnmacht FOTO: Christoph Reichwein

Nach Angaben Cazeneuves wurden an beiden Tagen zusammen 4014 Flüchtlinge in Sicherheit gebracht. Darunter seien 772 Kinder und Jugendliche, die zunächst in einem Containerdorf untergebracht werden sollen.

Laut Cazeneuve erklärte sich Großbritannien bereit, alle unbegleiteten Minderjährigen aus Calais aufzunehmen, deren Angehörige sich bereits im Königreich aufhalten.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen kritisierte, dass nur sehr grob anhand eines Gesichtschecks überprüft werde, wer minderjährig sei und damit auf das spezielle Asylverfahren hoffen dürfe.

Die Räumung des "Dschungels von Calais" schreitet voran FOTO: Christoph Reichwein

Der sogenannte Dschungel von Calais bot am Dienstag ein Bild der Verwüstung. Viele Hütten einer improvisierten Ladenstraße waren leer, auf dem Boden lag Müll. Immer wieder loderten kleine Feuer auf. Bulldozer wurden nicht eingesetzt, sagte ein Sprecher der Präfektur Pas-de-Calais, Müll werde mit kleinen Schaufelbaggern entfernt.

Am Tor des Transitzentrums kam es zu Rangeleien mit der Polizei, dabei gab es aber keine Verletzten. In der Nacht habe es keine Zusammenstöße gegeben, teilte die Präfektur mit. In den Tagen zuvor war es am Rande des Camps zu nächtlichen Ausschreitungen gekommen, bei denen die Polizei auch Tränengas einsetzte.

Die Regierung will das Entstehen neuer illegaler Camps in Calais und an der Küste verhindern. "Die Ordnungskräfte vor Ort werden Kontrollen durchführen, vor allem an den Bahnhöfen", hatte Cazeneuve angekündigt.

Der "Dschungel von Calais" wird geräumt FOTO: Christoph Reichwein

Die Auflösung soll nach Angaben der Präfektur etwa eine Woche dauern. Wie mit den sogenannten Widerspenstigen umgegangen werden soll, die unbedingt bleiben wollen, wird nicht offen gesagt. Inoffiziell ist zu hören, dass am Ende auch Polizei eingesetzt werden könnte.

(dpa/csr)
 
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