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Räumungs-Einsatz in Calais
Arbeiter reißen Flüchtlingshütten im "Dschungel" ab

Arbeiter reißen Hütten im "Dschungel von Calais" ab
Arbeiter reißen Hütten im "Dschungel von Calais" ab FOTO: Christoph Reichwein
Calais. Arbeiter haben am frühen Dienstagnachmittag die ersten Hütten in dem als "Dschungel" bekannten Flüchtlingslager bei Calais abgerissen. Bei ihrem Einsatz werden sie von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet.

Wie unser Reporter Christoph Reichwein aus dem französischen Calais berichtet, versammelten sich gegen 14 Uhr Kräfte der Polizei vor rund 40 Einsatzwagen. Anschließend umstellten sie einen etwa zwei- bis dreihundert Quadratmeter großen Bereich und schauten nach, ob sich noch Menschen in den von Flüchtlingen in Eigenregie errichteten Hütten befanden. Für Flüchtlinge, die anschließend noch Gegenstände aus den Behausungen holen wollten, war es zu spät. Sie wurden nicht mehr vorgelassen, wie unser Reporter beobachtete.

Dann rückten Arbeiter in orangefarbenen Overalls mit Hammer und Brecheisen an und rissen die provisorischen Hütten ein. Anschließend wurden die Trümmer von einem kleinen Bagger eingesammelt. 

Es gibt Berichte, dass Flüchtlinge Steine sammeln, um sich gegen die Räumung wehren zu können. Bisher war jedoch keine Eskalation zu beobachten. 

Ein Drittel der Migranten hatte das Lager, das unter dem Namen "Dschungel" von Calais bekanntgeworden war, am Montag im Laufe des Tages weitgehend friedlich verlassen. 1918 Erwachsene wurden nach offiziellen Angaben mit Bussen in Aufnahmezentren in andere Regionen Frankreichs gebracht. Zuletzt lebten im dem Camp etwa 6500 Menschen.

Provisorische Container

400 unbegleitete Kinder und Jugendliche wurden in provisorischen Containern in Calais untergebracht. Nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve hat sich Großbritannien bereit erklärt, alle unbegleiteten Minderjährigen aus Calais aufzunehmen, deren Angehörige sich bereits im Königreich aufhalten.

Vor dem Transitzentrum standen am Dienstag wieder Hunderte Flüchtlinge an. Es kam am Tor zu Rangeleien mit der Polizei, dabei gab es aber keine Verletzten, sagte der Präfektur-Sprecher. In der Nacht habe es keine Zusammenstöße gegeben. In den Tagen zuvor war es am Rande des riesigen Flüchtlingscamps zu nächtlichen Ausschreitungen gekommen, bei denen die Polizei auch Tränengas einsetzte.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Ländern wie Afghanistan, Äthiopien, Eritrea und dem Sudan. Viele waren mit der Hoffnung nach Calais gekommen, den Ärmelkanal überqueren und Großbritannien erreichen zu können.

Kontrolle an Bahnhöfen

Die Regierung will das Entstehen neuer illegaler Camps in Calais und an der Küste verhindern. "Die Ordnungskräfte vor Ort werden Kontrollen durchführen, vor allem an den Bahnhöfen", hatte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve angekündigt.

Die Auflösung soll nach Angaben der Präfektur etwa eine Woche lang dauern. In der Folge könnte auch Deutschland davon betroffen sein.
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rechnet mit mehreren hundert Übernahmeersuchen, wie die "Rheinischen Post" (Dienstag) unter Berufung auf Behördenkreise berichtete.

Paris könnte Deutschland danach vor allem bitten, Flüchtlinge aufzunehmen, die sich auf dem Weg nach Frankreich zuvor in Deutschland registriert oder einen Asylantrag gestellt hatten.

(csi/dpa)
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