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Holocaust-Gedenkstätte: Ein Besuch in Yad Vashem

VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 11.05.2009 - 16:23

Jerusalem (RPO). Wie Papst Benedikt XVI. besuchen pro Jahr rund zwei Millionen Menschen die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem bei Jerusalem. Was sie sehen, bleibt in den Köpfen und in den Herzen haften - und macht auf unerwartete Weise Mut. Yad Vashem dokumentiert menschliche Grausamkeit ebenso wie menschliche Größe.

Der berührendste Moment in Yad Vashem ist für viele dieser: Wer die Holocaust-Ausstellung verlässt, tritt aus der Dunkelheit des fensterlosen Museums heraus auf eine Terrasse, die einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt Jerusalem bietet. Das ist kein Zufall, sondern von den Architekten des Mahnmals so gewollt.

Es ist ein Blick nach vorn und auch ein Blick auf die Schönheit des Lebens; und wer die Ausstellung voller nüchterner Dokumente über das Töten, den Verlust, das Sterben und das vergebliche Hoffen gesehen hat, kann plötzlich ermessen, welch ein Kraftakt ein solcher Blick auf die Welt sein kann.

In der Eingangshalle der Gedenkstätte sind viele angespannte Gesichter zu sehen. Ein Besuch an diesem Ort mit all seinen Dokumenten der Unmenschlichkeit macht vielen Angst - und vermittelt den meisten schon nach wenigen Minuten die demütige Erkenntnis, Angst nicht wirklich zu kennen.

In der Fülle von Eindrücken sind es immer wieder einzelne Bilder, die haften bleiben; weniger im Gedächtnis als im Herzen. Yad Vashem ist voll von Bildern. Eines der verstörendsten hinterlässt das "Denkmal für die Kinder", das den 1,5 Millionen ermordeten jüdischen Kindern gewidmet ist.

Der Besucher betritt einen unterirdischen Raum voller Kerzen, die in der Dunkelheit durch Glas und Spiegel so reflektiert werden, dass eine scheinbar unendliche Fülle von Lichtern entsteht, die an einen Sternenhimmel erinnern. Dazu werden der Name, der Geburtsort und das Alter der getöteten Kinder verlesen.

Über zwei Millionen Menschen kommen pro Jahr nach Yad Vashem. Es ist sind nicht nur die Fakten und die Schicksale dahinter, die Besucher beeindrucken, es ist auch die Souveränität, mit der die jüdischen Erbauer des Mahnmals mit dem Holocaust umgehen. Hart, unnachgiebig, aber dennoch mit Größe - zum Beispiel mit der Größe, die zu ehren, die Widerstand gegen die Judenvernichtung geleistet haben; auch wenn sie Deutsche waren.

An der "Allee der Gerechten unter den Völkern" werden bereits seit 1963 Bäume gepflanzt. Jeder einzelne steht für eine nichtjüdische Person oder Organisation, die sich dem Nazi-Regime widersetzt hat, um Juden zu retten. Hier steht auch ein Baum für den deutschen Industriellen Oskar Schindler.


 
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