Andry Rajoelina übernimmt die Macht: Ein Discjockey regiert in Madagaskar
zuletzt aktualisiert: 18.03.2009 - 14:45Antananarivo (RPO). Nach langer politischer Krise hat Madagaskar einen neuen Präsidenten: Das Oberste Verfassungsgericht bestätigte am Mittwoch den bisherigen Oppositionsführer Andry Rajoelina im Amt. Der ehemalige DJ gilt als schillernde Persönlichkeit. In seiner ersten Rede kündigte er an, die Armut im Inselstaat zu bekämpfen.
In der Gerichtsentscheidung erklärten die Richter die Machtübertragung des Militärs an Rajoelina für gültig. Nach dem Rücktritt von Staatschef Marc Ravalomanana könne Rajoelina bis zu zwei Jahre als Übergangspräsident im Amt bleiben. Nach der madagassischen Verfassung liegt das Mindestalter für das Präsidentenamt allerdings eigentlich bei 40 Jahren.
Rajoelina, der frühere Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo, hatte am Dienstag den zähen Machtkampf mit Ravalomanana für sich entschieden. Der bisherige Staatschef trat zurück und übertrug die Macht zunächst einem "Militärdirektorium". Die Armee lehnte dies jedoch ab und übertrug die Befugnisse an Rajoelina.
Er werde den Kampf gegen die Armut ins Zentrum seiner Arbeit stellen, sagte Rajoelina kurz nach der Entscheidung des Verfassungsgerichts vor 15.000 begeisterten Anhängern in Antananarivos Hauptstadt. Rajoelina versprach unter anderem, sich für niedrigere Preise für Reis und andere Grundnahrungsmittel einzusetzen. In Anspielung an seinen Vorgänger Ravalomanana, dem das größte Firmenimperium Madagaskars samt einem Lebensmittelkonzern gehört, sagte Rajoelina: "Ich werde keinen Reis und kein Öl verkaufen."
Rajoelina kündigte außerdem an, das umstrittene Präsidentenflugzeug zu verkaufen und für das Geld ein Krankenhaus bauen zu lassen. Der Kauf der Boeing 737 hatte in Madagaskar für Unmut gesorgt. Ravalomanana soll für die Maschine, die vorher dem Disney-Konzern gehörte, umgerechnet rund 45 Millionen Euro bezahlt haben. Als Oppositionsführer hatte Rajoelina dem 59-jährigen Ravalomanana unter anderem den Ausverkauf des Landes an ausländische Firmen vorgeworfen.
Der monatelange Machtkampf zwischen den beiden Rivalen hatte sich am Wochenende zugespitzt, als die Opposition die Machtübernahme durch eine Übergangsregierung erklärt hatte. Bei dem Konflikt kamen seit Mitte Dezember mehr als hundert Menschen ums Leben.
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