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Barack Obama: Ein schwarzer Kennedy?

VON THOMAS SPANG - zuletzt aktualisiert: 14.12.2006 - 21:43

Washington (RP). Die amerikanischen Demokraten feiern Barack Obama als ihren neuen Superstar. Noch hat er sich nicht entschieden, ob er gegen Hillary Clinton im Rennen ums Weiße Haus antritt. Aber er spricht schon von einer Zeitenwende.

Hillary Clinton hat einen sehr aussichtsreichen Konkurrenten beim Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten: Barack Obama. Ganz anders als die eher spröde wirkende New Yorker Senatorin ist der 45-Jährige ein begnadeter Kommunikator, in seiner Wirkung auf die Menschen fast nur mit den Kennedy-Brüdern oder auch mit Bill Clinton zu vergleichen. Andere sehen ihn auf den Spuren Martin Luther Kings wandeln.

Wo Obama im Vor-Vorwahlkampf auftaucht, löst er Begeisterung aus. Die Tickets zu den beiden Veranstaltungen in New Hampshire für 25 Dollar das Stück gingen weg wie warme Semmeln. In der Küstenstadt Portsmouth quoll eine Buchhandlung über, in der 750 Personen dicht gedrängt darauf wartete, eine unterschriebene Kopie des Obama-Bestsellers „The Audacity of Hope“ („Der Mut der Hoffnung“) zu ergattern. Obama, dessen Vater aus Kenia und dessen Mutter aus Kansas stammt, verkörpert geradezu den typisch amerikanischen Optimismus, dass eigentlich alles möglich ist, wenn einer es nur will.

„In all den Jahren habe ich noch nie jemanden gesehen, der zu einem so frühen Zeitpunkt so viele Menschen anzieht“, beschreibt der demokratische Wahlkampf-Stratege Charles Campion das Phänomen. Obama selbst übt sich in demonstrativer Bescheidenheit. Die Versammlung in New Hampshire begrüßt der Senator aus Illinois mit den Worten: „Hallo allerseits, mein Name ist Barack Obama.“

„Wir brauchen ein neues politisches Klima in Washington“, fordert er in seinen Reden, in denen er mit der „inhaltsleeren Floskel-Kultur“ und den kleinkarierten Taktierern abrechnet. „Amerika ist reif dafür, die nächste Seite aufzuschlagen“, sagt er zum Beifall der Zuhörer und reklamiert: „Das ist unsere Zeit.“ Beim Publikum kommt die visionäre Rhetorik an.

Dabei hat der Mann, der vor zwei Jahren noch im Landesparlament von Illinois saß, bisher kaum etwas auf bundespolitischer Ebene vorzuweisen. Auf die nationale politische Bühne katapultierte er sich vor zwei Jahren mit einer feurigen Rede bei dem Nominierungsparteitag für John Kerry. Und Obama hat auch noch gar nicht entschieden, ob er 2008 überhaupt antreten wird.

Anders als Hillary Clinton, die ihre Intentionen in den vergangenen Tagen klar zu erkennen gab und bereits wichtige Geldgeber, Wahlkampfstrategen und Vertreter des demokratischen Establishments hinter sich versammelt hat. Ein struktureller Vorteil, der nur schwer zu überwinden sein wird. Wer keine Gelder für Werbe-Spots hat, wenn im ganzen Land die Vorwahlen richtig anlaufen, steht schnell auf verlorenem Posten.

Obama weiß, dass die Zeit drängt. Über Weihnachten will er mit seiner Frau Michelle und dem Kreis seiner engsten Berater das weitere Vorgehen abstimmen. Im Januar soll dann eine Entscheidung fallen. Als größten Nachteil sehen Analysten seine mangelnde Erfahrung. Doch der Senator winkt ab. „Niemand kommt als Präsident zur Welt“, kontert er und verspricht, die Wähler könnten sich am Ende des Wahlkampfes ein gutes Bild von seiner Qualifikation machen, falls er seinen Hut in den Ring werfe.

Heimlich setzt er auf das verbreitete Unbehagen in seiner Partei über die Wahlaussichten Hillarys, die zwar im partei-internen Bewerberfeld klar vorn liegt, für viele Amerikaner aber ein „rotes Tuch“ bleibt. Unter Anspielung auf ihre Verdienste als „Mutter der Partei“ erfanden Obamas Strategen ein Motto, das die Stimmung bei den Demokraten gut beschreibt. „Don‘t tell Mama, I‘m for Obama“ („Sagt es nicht Mama, ich bin für Obama“).


 
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