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Mazedonien Friedensprojekt ap 2009
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Friedensdienst in Mazedonien: Ein Spiel, das Versöhnung heißt

zuletzt aktualisiert: 27.12.2009 - 11:23

Tetovo (RPO). Mitten in Europa brodeln seit Jahrzehnten ethnische Konflikte auf dem Balkan. So auch im Vielvölkerstaat Mazedonien. Spätestens seit dem Kosovo-Krieg von 1999 gilt das Verhältnis zwischen Mazedoniern und Albanern als auf das äußerste gespannt. Ein aus Deutschland gefördertes Projekt soll  zumindest die Jugend versöhnen. Jungen und Mädchen machen gemeinsam Radio.

Junge Mazedonier, Albaner, Türken und Roma arbeiten gemeinsam an einem Projekt: Sie machen Radio.  Foto: APD, AP
Junge Mazedonier, Albaner, Türken und Roma arbeiten gemeinsam an einem Projekt: Sie machen Radio. Foto: APD, AP

"Ruhe im Studio, wir gehen auf Sendung!" Biljana Alampioska mahnt ihre Schülergruppe zur Konzentration. Dann wird das Licht kurz aus- und wieder voll angeschaltet, um grelle Scheinwerfer zu simulieren. Ein Jingle ertönt, und ein Mädchen, das sich als Moderatorin des Fernsehsenders A1 vorstellt, befragt den Rest der Gruppe über ihr Projekt bei LOJA, dem Zentrum für Balkan-Kooperation in Tetovo im Nordwesten von Mazedonien.

Das Team, das dieses Rollenspiel mit großem Eifer betreibt, besteht aus 13-jährigen Jungen und Mädchen aus mazedonischen, albanischen, türkischen und Roma-Familien. Die Mischung ist bewusst gewählt, um junge Menschen zusammenzubringen, die sich sonst kaum kennenlernen würden. Denn obwohl sie im selben Land und sogar in derselben Stadt leben, trennen sie Welten. Hier will der Verein LOJA Abhilfe schaffen und wird dabei unterstützt von der "KURVE Wustrow - Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion e.V." aus dem norddeutschen Wendland.

Viele Diskriminierungen gegen die Minderheit

Nach der Unabhängigkeit Mazedoniens im September 1991 war die albanische Minderheit, die gut ein Viertel der Bevölkerung ausmacht, vielen Diskriminierungen ausgesetzt. Die ethnischen Spannungen verschärften sich, als nach dem Kosovo-Krieg von 1999 rund 380.000 albanische Flüchtlinge ins Land strömten. Anfang 2001 kam es zum Aufstand albanischer Nationalisten, dem blutige Auseinandersetzungen folgten. Nur mit internationalem Druck konnte ein Bürgerkrieg verhindert werden.

Im Rahmenabkommen von Ohrid wurde im August 2001 eine angemessene Repräsentation der Albaner in Politik und Verwaltung festgeschrieben. Auch wurde ihnen ein Recht auf muttersprachliche Bildung gewährt. Das allerdings hat dazu geführt, dass mazedonische und albanische Schüler in völlig getrennten sprachlichen Zweigen unterrichtet werden. Mangels Kontakten zwischen den verschiedenen Volksgruppen kommt der Prozess der Versöhnung kaum voran.

"Ich wollte die andere Seite kennenlernen"

LOJA, was auf Albanisch "Spiel" bedeutet, begann 1999 mit einem Theaterprojekt zur Aufarbeitung der Balkankriege. Schon damals legte Vereinsgründer Bujar Luma großen Wert auf ethnisch gemischte Teams. Nach Kontakten zur KURVE Wustrow gab es 2002 dann erstmals Unterstützung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für ein interethnisches Jugendprojekt im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes (ZFD).

Die Räumlichkeiten von LOJA wurden zum Treffpunkt von jungen Mazedoniern und Albanern sowie von Türken und Roma, die jeweils fünf Prozent der Bevölkerung ausmachen. Viele kamen und kommen heute noch wegen des interessanten Freizeitangebots - Theater, Tanz, Film und Fotografie sowie Computerkurse. Eine engagierte Teilnehmerin war damals Biljana Alampioska, genannt Bibi. Die heute 22-jährige Mazedonierin hatte bis dahin kaum Kontakt zu albanischen Altersgenossen, obwohl Tetovo überwiegend von Albanern bewohnt wird.

"Ich wollte die andere Seite kennenlernen, und ich wollte auch meine eigenen Vorurteile überwinden", sagt die Studentin der Kommunikationswissenschaften, die inzwischen selbst Jugendgruppen leitet. Zunächst stieß sie auf viel Unverständnis, aber sie ließ sich nicht beirren und machte ihre alten mazedonischen Freunde mit ihren neuen albanischen bekannt. Auch die anderen Teilnehmer wurden zur Brücke zwischen den lange verfeindeten Volksgruppen.

In Bibis jüngstem Projekt sollen 13-jährige Schüler eine Geschichte erfinden und dazu eine Wandtafel erstellen - mit Texten auf Mazedonisch und Albanisch und vielen selbst aufgenommenen Fotos. Dabei sind immer Übersetzer zur Stelle, denn die Zweisprachigkeit des Kurses gilt als wichtiges Mittel, um Respekt und Rücksichtnahme einzuüben. Die Kinder sind mit Begeisterung bei der Sache und ihre harmonische Zusammenarbeit lässt darauf hoffen, dass sie die "andere Seite" künftig in einem neuen Licht sehen.

"Für die Albaner ist der Name natürlich kein Problem"

Genau dies ist in Mazedonien überaus wichtig. Zu frisch sind noch die Narben, die die blutigen Auseinandersetzungen von 2001 hinterlassen haben, und zu tief sitzt das gegenseitige Misstrauen. Auch der anhaltende Namensstreit mit dem südlichen Nachbarn spielt hier eine Rolle. Aus Furcht vor Gebietsansprüchen auf seine gleichnamige Provinz hat Griechenland durchgesetzt, dass das Land offiziell nur als "Frühere jugoslawische Republik Mazedonien" geführt wird. Die Albaner meinen, dass Skopje bezüglich des Namens einlenken sollte, damit Athen die Aufnahme Mazedoniens in EU und NATO nicht länger blockiert.

Das wird auf mazedonischer Seite anders gesehen. "Für die Albaner ist der Name natürlich kein Problem, weil ihre nationale Identität noch nie infrage gestellt wurde", erklärt Maja Muhic, Ethnologie-Dozentin an der Südosteuropa-Universität (SEEU) in Tetovo. "Dagegen wurden die Mazedonier bis 1945 überhaupt nicht als eigene Volksgruppe anerkannt. Für sie ist der Landesname Ausdruck einer Identität, die ihnen viel zu lange verweigert wurde."

Teilhabe am eigenen Heimatland

Der Albaner Artan Sadiku, Assistenzprofessor für internationales Recht, reagiert darauf ungerührt: "Die Mazedonier reden immer davon, was ihnen früher verweigert wurde. Aber den Albanern in Mazedonien wird noch heute die Teilhabe an ihrem eigenen Heimatland verweigert." Seiner Ansicht nach sollten Mazedonier und Albaner endlich als Bürger desselben Staates an einem Strang ziehen.

Bis dahin aber ist es noch ein weiter Weg, und eben deshalb ist die von LOJA betriebene Jugendarbeit so wichtig. Bibi will sich gar nicht erst auf politische Debatten einlassen: "Die Leute sollten nicht immer nur lamentieren, sondern endlich etwas tun. Mit sozialem Engagement kann man einen Großteil der gesellschaftlichen Probleme überwinden, und dann fühlt man sich auch persönlich viel besser."

Quelle: apd/csi

 
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