Birmingham: Ein Toter bei schweren Unruhen
zuletzt aktualisiert: 23.10.2005 - 16:54Birmingham (rpo). Bei schweren Unruhen in Birmingham ist ein Mann ums Leben gekommen. Dutzende Menschen, darunter mehrere Polizisten, wurden verletzt. Gerüchte um die Vergewaltigung eines 14-jährigen Mädchens hatten Kämpfe zwischen Südasiaten und Einwanderern aus der Karibik ausgelöst.
Das Mädchen aus der Karibik soll von einem Südasiaten vergewaltigt worden sein, wie die Polizei der nordenglischen Stadt mitteilte. Vertreter der schwarzen und der asiatischen Gemeinde trafen sich am Samstagabend in einer Kirche des Stadtteils Lozells, um über die Vorwürfe und die Abwendung möglicher Racheakte zu beraten.
Laut Augenzeugen begannen plötzlich etwa 30 Südasiaten, Steine auf die Teilnehmer der Versammlung zu schleudern, weil man ihnen den Zugang verwehrte.
Bei den folgenden Straßenschlachten wurden dutzende Geschäfte verwüstet und Autos in Brand gesteckt. Hunderte Bereitschaftspolizisten waren im Einsatz, sie wurden mit Flaschen und Baseballschlägern angegriffen. Die Randalierer gingen auch mit Messern aufeinander los.
Ein etwa 20 Jahre alter Schwarzer wurde so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus starb, wie die Polizei mitteilte. Ein Beamter erlitt eine Schussverletzung. Mehrere Menschen seien festgenommen worden, teilte die Polizei weiter mit.
Polizei: Keine Rassenunruhen
Die Behörden bemühten sich, die Sorge vor neuen Rassenunruhen wie in den 80er Jahren zu beschwichtigen. "Dies ist das Werk einer kleinen Personengruppe und spiegelt keine Spannungen in der Bevölkerung wieder", sagte Polizeisprecher David Shaw. Es gebe bislang auch keine Beweise für eine Vergewaltigung. Er rief das mutmaßliche Opfer auf, sich bei der Polizei zu melden.
Auch der für den Bezirk zuständige Parlamentsabgeordnete, Khalid Mahmood, wies den Verdacht zurück, es könne sich um Rassenunruhen gehandelt haben. "Es waren Einzelne, nicht mehr als 30 Personen, die das Chaos veranstalteten", sagte der der britischen BBC. "Die Mehrheit der Gemeinde hält noch immer eng zusammen."
Eine Reporterin der britischen Nachrichtenagentur PA berichtete indes von weit mehr Randalieren. Auch sie sei am Samstagabend angegriffen worden, als sie durch Lozells gefahren sei. "Es war eine riesige Gruppe, mehr als hundert Jugendliche mit Kapuzen, die Baseballschläger schwangen", berichtete Alex Thompson. "Sie haben auf meinen Wagen geschlagen und ihn getreten. Auch die anderen Autos wurden attackiert."
Lozells ist mehrfach Schauplatz von Rassenunruhen gewesen. Es gibt dort eine große Gemeinde von Einwanderer aus der Karibik, in jüngster Zeit tauchten auch südasiatische Gangs auf. Gewalt bricht häufig auch innerhalb der einzelnen Gruppen aus. Zu schweren Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften kam es 1985. Auslöser war damals die Verhaftung von zwei Schwarzen im Nachbarbezirk Handsworth.
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