Atomstreit mit Iran: Einigung auf Entwurf einer IAEA-Resolution
zuletzt aktualisiert: 01.02.2006 - 14:48Wien (rpo). Im Atomstreit mit dem Iran haben sich die USA, Russland und die europäischen Staaten möglicherweise bereits auf einen Resolutionsentwurf geeinigt. Einen Tag vor der Sondersitzung des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) seien die Länder übereingekommen, der Gouverneursrat solle das Problem an den Weltsicherheitsrat überweisen, heißt es einem Bericht zufolge.
Die 35 Mitglieder des IAEA-Gouverneursrats treten am Donnerstag und Freitag zu der Sondersitzung zusammen. IAEA-Generalsekretär Mohamed ElBaradei hofft, dass der Iran dazu bewegt werden kann, ein Kompromissangebot Russlands anzunehmen. Dem Vorschlag des Kremls zufolge könnte Russland die Urananreicherung für den Iran übernehmen. Teheran hat diesen Vorstoß bislang nicht völlig abgelehnt.
Generell gibt sich der Iran in der Atomfrage hart. Die Regierung drohte mit einem Abbruch aller Gespräche und der Wiederaufnahme bislang ausgesetzter Nuklearaktivitäten, sollte der Fall an den Weltsicherheitsrat überwiesen werden. Chefunterhändler Ali Laridschani sagte bereits in der vergangenen Woche, dann würde sich der Iran nicht länger auf die Forschung beschränken. "Dann werden wir mit der industriellen Anreicherung beginnen."
Wenige Jahre bis zur ersten Bombe
Sollte der Iran dies tun, sind sich Experten einig, dauerte es bis zur ersten Bombe nur noch wenige Jahre. Hätte der Iran eine Atombombe, wäre eine nukleare Konfrontation mit Israel möglich. Und Rivalen Irans wie Ägypten und Saudi-Arabien könnten dann bemüht sein, eigene Atomwaffenprogramme aufzulegen.
Nach Angaben der IAEA haben dreijährige Kontrollen des iranischen Atomprogramms keine Beweise dafür erbracht, dass das Land nach Atomwaffen strebt. Andererseits könne es aber auch nicht ausgeschlossen werden. Nach Erkenntnissen des US-Geheimdienstes aus dem vergangenen Jahr hatten iranische Wissenschaftler zumindest Baupläne für einen Atomsprengkopf. Die Informationen beruhen auf Daten, die auf einem Laptop entdeckt wurden, der aus dem Iran herausgeschmuggelt worden sein soll. Dies sei der bislang beste Beweis dafür, dass der Iran ein geheimes Atomwaffenprogramm habe, sagt der Abrüstungsexperte David Albright, ein früherer UN-Atominspekteur im Iran.
Israel für härtere Maßnahmen
Die IAEA-Kontrollen im Iran haben ebenfalls beunruhigende Erkenntnisse gebracht. Unter anderem wurden auf dem Schwarzen Markt Zeichnungen entdeckt, die zeigen, wie spaltbares Material für Atomwaffen verwendet werden kann. ElBaradei hat es abgelehnt auszuschließen, dass der Iran an einem Waffenprogramm arbeitet. Die wichtigste Sorge der Kritiker Irans ist aber zunächst die Urananreicherung.
Teheran ist noch weit von seinem Ziel entfernt, in der Atomanlage Natans 50.000 Zentrifugen zur Anreicherung bereit zu haben. Bislang hat der Iran weniger als 1.000 Zentrifugen. Doch hat das Land laut Albright ausreichend Komponenten vom Schwarzmarkt gelagert, um die 1.500 Zentrifugen zu bauen, die zur Herstellung der für den Bau einer einfachen Atombombe nötigen 20 Kilogramm hoch angereicherten Urans herzustellen.
An Uran herrscht im Iran kein Mangel. Im Land gibt es große Vorräte, und im Mai enthüllte Teheran, dass 37 Tonnen davon in Gas umgewandelt wurden. Dies könnte etwa 100 Kilogramm waffenfähiges Uran ergeben, ausreichend für fünf Atomwaffen. Albright schätzt, dass der Iran binnen drei Jahren so weit sein könnte, laut einer Schätzung der US-Behörden aus dem vergangenen Jahr wären zehn Jahre nötig.
Israel hält deshalb härtere Maßnahmen für nötig. Nach Ansicht des Direktors des israelischen Instituts für Politik und Strategie, Usi Arad, könnte die Androhung schwerer Luftangriffe auf "atomare Ziele, das Militärregime und vielleicht sogar Öleinrichtungen" den Iran zum Einlenken bewegen.
Albright, der das Institut für Forschung und Internationale Sicherheit in Washington leitet, sagt, ein "Schlag aus heiterem Himmel" könnte dem iranischen Atomprogramm schweren Schaden zufügen. Der Schuss könne aber auch nach hinten losgehen: Die Iraner würden dann den Atomwaffensperrvertrag verlassen und ihr Nuklearprogramm vorantreiben. Wenn nicht mit diplomatischem Druck versucht werde, eine Veränderung der iranischen Haltung zu erreichen, "garantiert man wahrscheinlich nur, dass sie schneller an Atomwaffen kommen".
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