Der Montag vor dem G-8-Gipfel: Entschuldigungen, Kritik und Proteste - eine Chronologie
zuletzt aktualisiert: 04.06.2007 - 21:32Düsseldorf (RPO). Nach den gewalttätigen Krawallen vom Wochenende geht der Protest gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm weiter: Am Montagmorgen blockierten Gipfel-Gegner die Ausländerbehörde in Rostock. Derweil betonte die Polizei, an ihrem Deeskalationskonzept festhalten zu wollen. Wir fassen den Tag für Sie chronologisch zusammen.
+++ 21 Uhr: Klimaschutz und Armutsbekämpfung sind die Schwerpunktthemen beim so genannten Alternativgipfel, der am Dienstag (17.00 Uhr) in Rostock eröffnet wird. Die Veranstalter - ein Bündnis von über 40 Organisationen - erwarten rund 1.000 Teilnehmer aus aller Welt. Auf dem Gipfel sollen Alternativen zur Politik der G-8-Staaten aufgezeigt werden.
+++ 20.31 Uhr: Die in Rostock eingesetzten Polizisten ernten wegen ihres Auftretens bei der G8-Großdemonstration neben Kritik auch Dank. Aus dem ganzen Bundesgebiet seien telefonisch und schriftlich viele Zeichen des Dankes und der Anerkennung von Bürgern, von Verbänden und Institutionen übermittelt worden, sagte Rostocks Polizeichef Knut Abramowski am Montag.
+++ 19 Uhr: Die nach mehrstündigen Verhandlungen verspätet begonnene Demonstration von G8-Kritikern in Rostock ist am Montagabend vorzeitig beendet worden. Die Organisatoren hätten den Protestzug am S-Bahnhof Parkstraße aufgelöst, sagte ein Polizeisprecher.
+++18.42 Uhr: Im Zuge von Demonstrationen gegen die Migrationspolitik hat es am Montagmorgen in Rostock 49 Freiheitsentziehungen gegeben. Es seien 21 Festnahmen erfolgt. 28 Personen seien in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Polizeisprecher.
+++ 18.26 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident George W. Bush werden noch vor Beginn des G8-Gipfels am Mittwoch zu einem bilateralen Treffen in Heiligendamm zusammenkommen.
+++ 17.43 Uhr: Wenige Tage vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm hat Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus die Industrieländer eindringlich an ihre Verantwortung für die Armen erinnert. Yunus forderte am Montag in Berlin die Staatengemeinschaft auf, die Verpflichtungen der Millenniumsentwicklungsziele ernst zu nehmen. Die im Jahr 2000 beschlossenen Ziele sehen eine Halbierung der Zahl der Armen sowie eine bessere Wasser- und Gesundheitsversorgung und Grundbildung für alle Menschen bis 2015 vor.
+++ 17.10 Uhr: Die rechtsextreme NPD will während des G8-Gipfels am Donnerstag in der Rostocker Innenstadt demonstrieren. Wie die NPD-Landtagsfraktion in Schwerin mitteilte, wurde die Kundgebung am Montag bei der Stadtverwaltung angemeldet. Die Rostocker Polizei bestätigte den Vorgang. Die Partei wolle mit etwa 500 Teilnehmern unter dem Motto "Für Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Nein zur Gewalt" demonstrieren, sagte eine Polizeisprecherin.
+++ 16.07 Uhr: Trotz aller Schwierigkeiten hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel optimistisch zu den Erfolgschancen des G-8-Gipfels in Heiligendamm geäußert. Wenn es gelänge, die Amerikaner wieder in den UN-Prozess in Sachen Klimaschutz einzubinden, "dann wäre das aus meiner Sicht ein Riesenfortschritt", sagte Merkel am Montag
+++ 15.48 Uhr: Nach mehrstündigen Verhandlungen mit der Polizei hat sich am Montagnachmittag in Rostock eine Demonstration von G8-Kritikern in Bewegung gesetzt. Der Zug von insgesamt etwa 4000 Teilnehmern wird von Polizisten eskortiert.
+++ 15.12 Uhr: Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat von allen G8-Kritikern eine klare Distanzierung von Gewalt gefordert. Die Stärke des Protestes gegen die Politik der G8-Staaten lebe davon, dass es bei den Aktionen friedlich bleibe, sagte Roth am Montag am Rande einer Bundesvorstandssitzung der Grünen in Rostock.
+++ 14.45 Uhr: Die CDU fordert die friedlich demonstrierenden Globalisierungskritiker zu einer offeneren Zusammenarbeit mit der Polizei auf. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte am Montag nach einer Sitzung des Parteipräsidiums in Berlin, die Organisatoren friedlicher Proteste müssten die Polizei als Partner ansehen. Es reiche nicht aus, wenn von Teilen der Organisatoren eine gleiche Distanz zu Polizei und gewaltbereiten "Linkschaoten" gehalten werde. "Die Polizei ist der Partner für friedliche Demonstrationen", betonte Pofalla.
+++ 14.24 Uhr: Zwei Tage nach den Krawallen bei G-8-Protesten in Rostock hat es erneut Gerangel zwischen der Polizei und Demonstranten gegeben. Der Zwischenfall ereignete sich nach Augenzeugenberichten am Montag vor dem so genannten "Sonnenblumenhaus" in Rostock-Lichtenhagen, das im August 1992 mehrfach von Rechtsradikalen angegriffen worden war. In dem Haus lebten Asylbewerber.
+++ 14.15 Uhr: Zwei Tage vor Beginn des G8-Treffens in Heiligendamm sind bereits für mehr als 2500 Journalisten die Sonderausweise ausgegeben worden, wie das Pressezentrum am Montag auf ddp-Anfrage in Kühlungsborn mitteilte. Insgesamt haben sich den Angaben zufolge über 5200 Journalisten akkreditiert, die 582 Medien aus 58 Ländern vertreten. Der Weltwirtschaftsgipfel findet vom 6. bis 8. Juni in dem Ostseebad statt.
+++ 13.57 Uhr: Am deutsch-polnischen Grenzübergang Pomellen hat die Bundespolizei am Montag 18 Insassen eines polnischen Reisebusses die Einreise verwehrt. Im Gepäck der Reisenden seien unter anderem funktionsfähige Gasmasken, Sturmhauben sowie Handzettel mit Verhaltensanweisungen auf Demonstrationen gefunden worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.
+++ 13.41 Uhr: Mit Glockengeläut und einem "Heiligen Damm des Gebets" wollen Christen die Mächtigen der Welt zu Gerechtigkeit und Solidarität mit den Ärmsten ermahnen. Wie der Evangelische Entwicklungsdienst in Bonn am Montag mitteilte, sollen am Mittwoch zum Beginn des G-8-Gipfels in Heiligendamm und gleichzeitig zur Eröffnung des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Köln um 18.00 Uhr acht Minuten lang deutschlandweit 1.000 Glocken läuten.
+++ 11.59 Uhr: Der Berliner Polizeipräsident verteidigt das Einsatzkonzept in Rostock: "Ich warne die vereinigten Besserwisser, die auch diesmal wieder auftreten.“ Wenn mehr als 2000 gewaltbereite Extremisten Polizeibeamte angriffen, dürfe man sich nicht wundern, dass dabei zahlreiche Polizisten verletzt würden. Nach seiner Überzeugung sei der Einsatz in Rostock gut vorbereitet gewesen.
+++ 11.38 Uhr: Die Internetseite der Polizeisondereinheit Kavala für den G-8-Gipfel ist nicht mehr zu erreichen. "Sie ist wohl überlastet", sagte ein Polizeisprecher. Auf der Internetseite erklärt die Polizei ihr Vorgehen beim G-8-Gipfel. Wer sich die Website anschauen will, sieht nur "Diese Seite wird zur Zeit gewartet. Bitte gedulden Sie sich einen Augenblick".
+++ 11.09 Uhr: Erste Anti-G-8-Aktion am Montagmorgen: Die Blockade der Rostocker Ausländerbehörde. Die Behörde ist heute ohnehin geschlossen. Starke Polizeikräfte in Kampfanzügen begleiten die Veranstaltung. Nach Augenzeugenberichten gibt es keine Zwischenfälle.
+++ 10.24 Uhr: Die Globalisierungsgegner legen beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde gegen das Demonstrationsverbot um den G-8-Tagungsort Heiligendamm ein. Die G-8-Gegner kritisieren, dass während des Gipfels rund um das umzäunte Ostseebad eine Bannmeile von sechs Kilometern Breite gelten soll.
+++ 8.12 Uhr: Nach dem Einsatz gegen gewalttätige Demonstranten in Rostock gibt es innerhalb der Polizei Kritik. "Wir sind dort verheizt worden", zitierte der "Tagesspiegel" aus Berliner Polizeikreisen. Von den 30 schwer verletzten Polizisten kommen 16 aus Berlin. Die Zeitung berichtet von Ungereimtheiten bei der Einsatzleitung, die von einem Sprecher der G-8-Sondereinheit Kavala relativiert wurden
+++ 8.03 Uhr: Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff, spricht sich gegen eine Änderung der Polizei-Strategie aus. Bei Krawallen wie diesen müsse "die volle Härte des Gesetzes" greifen. Ringstorff betont, er erhoffe sich trotz der unschönen Bilder aus Rostock vom G-8-Gipfel weiter einen Imagegewinn für sein Bundesland und einen höheren Bekanntheitsgrad auch bei ausländischen Touristen.
+++ 5.45 Uhr: Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, sagt, er rechne für Heiligendamm "mit dem Schlimmsten". Das sei eine Spirale der Gewalt, so Freiberg. Er fordert eine härtere Gangart gegen Gewalttäter. "Es müssen Vorkontrollen dort stattfinden, wo sich die Chaoten treffen. Wer Steine, Messer oder Knüppel dabei hat, muss sofort in den Polizeigewahrsam."
+++ 4.05 Uhr: "Wir müssen uns sehr intensiv Gedanken machen, ob eine Deeskalationsstrategie wie bisher noch angebracht ist", sagte Wolfgang Speck, Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft. "Mit einer solchen Brutalität, solchem Hass hatten wir nicht gerechnet", sagte Speck. "Es ist schlimm, wie hier auf Polizistinnen und Polizisten losgegangen wurde."
+++ 1.30 Uhr: Attac entschuldigt sich bei den Rostockern für die Ausschreitungen."Was geschehen ist, hätte so nicht passieren dürfen", sagte Werner Rätz vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac.Die in Attac zusammengefassten Globalisierungskritiker wüssten kaum, wie sie mit den militanten G8-Gegnern zurecht kommen sollten: "Ein konkretes Konzept gibt es nicht", sagte Rätz.
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