Deutschlandbesuch: Erdogan streitet mit Botschafter über Kopftuch
zuletzt aktualisiert: 26.05.2006 - 13:57Istanbul (rpo). Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich einen öffentlichen Streit um das islamische Kopftuch mit dem Botschafter seines Landes in Berlin geliefert. Bei einer Begegnung mit in Deutschland lebenden Türken am Donnerstagabend in Berlin reagierte Erdogan verärgert, als er von Vorschriften für Passfotos erfuhr, die bei türkischen Vertretungen in Deutschland angewendet werden.
"Warum wird das so gemacht?" fuhr Erdogan den im Saal sitzenden türkischen Botschafter in Berlin, Mehmet Ahmet Irtemcelik, an. Der Diplomat verteidigte sich mit den Worten, er setze lediglich geltende Vorschriften um. Erdogan kündigte an, er werde die entsprechenden Regeln ändern lassen.
Wie türkische Zeitungen und Fernsehsender am Freitag berichteten, wurde der öffentlich ausgetragene Streit durch die Beschwerde einer Frau mit doppelter deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft ausgelöst. Sie kritisierte der Zeitung "Hürriyet" zufolge, dass sogar ein "christliches Land" wie Deutschland ein Passfoto mit Kopftuch erlaube, die moslemische Türkei aber von ihr verlange, ihre Haare zu zeigen.
Auf die erboste Nachfrage des als frommen Moslems bekannten Erdogan hin bestätigte Botschafter Irtemcelik, dass es einen entsprechenden Erlass gebe. Irtemcelik wurde vom Saal ausgebuht. Erdogan versprach, sich den Erlass anzuschauen und falls nötig zu annullieren. In Ankara bestätigte der Sprecher der zentralen türkischen Polizeibehörde, Ismail Caliskan, am Freitag die Existenz des Erlasses aus dem Jahr 1984. Darin ist seinen Worten zufolge festgelegt, dass türkische Frauen auf Passbildern zumindest den Haaransatz zeigen müssen. Besonders fromme Türkinnen binden sich das Kopftuch dagegen in einer Weise, dass überhaupt keine Haare zu sehen sind.
Das Kopftuchverbot in staatlichen Institutionen ist in der Türkei heftig umstritten; für Erdogan dürfte es deshalb politisch sehr schwierig sein, bei dem heiklen Thema die Vorschriften zu ändern. Der türkische Premier war am Donnerstag nach Deutschland gereist, um am deutsch-türkischen Wirtschaftskongress in Berlin teilzunehmen und mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu sprechen.
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