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Afghanistan: Erneuter Anschlag auf Bundeswehr

zuletzt aktualisiert: 01.09.2008 - 11:13

Berlin (RPO). In Afghanistan ist es am Montag erneut zu einem Anschlag auf Bundeswehr-Soldaten gekommen. Dabei sei niemand verletzt worden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin.

Eine Patrouille wurde am Montagvormittag gegen 10.56 Uhr (Ortszeit) etwa neun Kilometer nördlich von Kundus mit Handwaffen beschossen. In der Nähe der Patrouille habe es Explosionen gegeben. Erst am Sonntag war 45 Kilometer östlich von Kundus ein Anschlag auf eine Patrouille mit einer "improvisierten Sprengladung verübt" worden, bei dem es ebenfalls keine Verletzten gab.

Unterdessen nahmen bei einer Trauerfeier in Zweibrücken Angehörige, Kameraden und Vertreter der Politik Abschied von dem am Mittwoch in Afghanistan getöteten deutschen Hauptfeldwebel.

Dieser war nahe Kundus ums Leben gekommen, als sein Fahrzeug in eine Sprengfalle fuhr. Zu der Andacht in der Heilig-Kreuz-Kirche mit rund 400 Trauergästen waren auch zwei bei dem Anschlag verletzte Soldaten gekommen. Ein weiteres Mitglied der Patrouille liegt noch verletzt im Krankenhaus.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sprach den Angehörigen des 29-jährigen Getöteten im Namen der Bundesregierung sein Mitgefühl aus und würdigte, dass der Soldat sich für eine bessere Zukunft in Afghanistan und damit für die Sicherheit Deutschlands eingesetzt habe. Gleichzeitig verwies Jung darauf, dass sich die Sicherheitslage in Afghanistan verschärft habe. Die Bundeswehr tue alles, um die Gefährdungen so gering wie möglich zu halten. Einen absoluten Schutz könne es dennoch nicht gebe, sagte der Minister.

Einem Zeitungsbericht zufolge sollen sich im Fall der in Nordafghanistan erschossenen drei Zivilisten deutsche Soldaten nicht an die Einsatzregeln gehalten haben. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, ausschließlich deutsche Soldaten hätten auf das betroffene Fahrzeug geschossen.

Es gebe jedoch klare Regeln, nach denen nur die afghanischen Polizeiposten Fahrzeuge kontrollieren und eventuell das Feuer eröffnen dürften. Die Einsatzregeln der Bundeswehr verböten den Soldaten selbst in Notsituationen, nach dem Abbruch eines Angriffs auf Flüchtende zu schießen.

Das Bundesverteidigungsministerium wies die Darstellung der Zeitung zurück. Es wäre den Bundeswehrsoldaten sehr wohl erlaubt gewesen, auch an einem Checkpoint zur Selbstverteidigung von ihren Schusswaffen Gebrauch zu machen. Ein Ministeriumssprecher bezeichnete die Darstellung des Blattes als "Anmaßung". Niemand könne von Deutschland aus beurteilen, wie sich die Situation vor Ort dargestellt habe. Unter anderem müssten die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abgewartet werden.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU) sagte, er gehe davon aus, "dass sich unsere Soldaten entsprechend ihres Auftrags verhalten haben. Man kann von keinem Soldaten verlangen, dass er in einer für ihn unüberschaubaren lebensbedrohenden Situation nicht reagiert."

Schmidt wies weiterhin Forderungen nach einem schnellen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zurück. Der verteidigungspolitische Sprecher der Links-Fraktion, Paul Schäfer, sagte dagegen, durch die Beteiligung der Bundeswehr "am Afghanistan-Krieg setzt die Bundesregierung die Möglichkeit einer innerafghanischen Verhandlungslösung aufs Spiel".

Quelle: afp

 
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