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Bolivien: Erstmals Indio als Präsident vereidigt

zuletzt aktualisiert: 22.01.2006 - 20:07

La Paz (rpo). Zum ersten Mal hat ein Indio das höchste Staatsamt in Bolivien inne: Der Sozialist Evo Morales wurde am Sonntag als Präsident vereidigt. Während seiner Amtszeit will Morales für die Rechte der Indios und gegen die Armut kämpfen.

Zehntausende Indios feierten die Amtseinführung des ehemaligen Koka-Bauers in der Hauptstadt La Paz. Geladen waren elf Staatsoberhäupter, darunter der venezolanische Präsident Hugo Chavez und Ricardo Lagos aus Chile, sowie der spanische Kronprinz Felipe. Morales hat für seine fünfjährige Amtszeit einen Kampf gegen die Ungleichbehandlung der Indios und die wachsende Armut angekündigt.

Unter Tränen nahm der 46-Jährige die Präsidenten-Schärpe in den bolivianischen Farben Gelb, Rot und Grün entgegen. "Zum ersten Mal ist die Macht in den Händen der Bolivianer", sagte der Bergarbeiter Walter Villarro, der wie tausende Landsleute in farbenprächtigen Kostümen zu der Feier nach La Paz gekommen war.

Jugend in armen Verhältnissen

Morales hatte die Präsidentschaftswahl am 18. Dezember mit 54 Prozent der Stimmen gewonnen. Der Aymara-Indio kommt aus armen Verhältnissen. In seiner Jugend hütete er Lamas und baute Kartoffeln im bolivianischen Hochland an, bevor er sich in der Chapare-Region niederließ. Dort hilft der Anbau von Koka vielen Bauern, ihre Familien am Leben zu erhalten.

Der von Morales geführte Kampf gegen ein Verbot des Koka-Anbaus mobilisierte die indianische Mehrheitsbevölkerung. Zusammen mit wachsendem Unmut über die allgemeine Verarmung und die politische Vorherrschaft einer reichen weißen Elite führte dies schließlich zum Wahlsieg Morales', der von der Bewegung zum Sozialismus (MAS) unterstützt wird.

Neben den Rechten der Indios ist die Verstaatlichung der bolivianischen Gasvorkommen eines seiner wichtigstes Anliegen. Der Umgang mit den heimischen Bodenschätzen ist seit Jahren eines der beherrschenden Themen der bolivianischen Politik: Ende 2003 stürzte Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada über Pläne, Erdgas in die USA und nach Mexiko zu exportieren. Seinem Nachfolger Carlos Mesa wurden im Juni vergangenen Jahres Massenproteste gegen Steuererleichterungen für ausländische Ölkonzerne zum Verhängnis.

Seine umstrittene Drogenpolitik beschrieb Morales mit den Worten: "Kein Kokain und kein Drogenhandel, aber nicht kein Koka oder keine Cocaleros", wie die Kokabauern in Bolivien genannt werden. Grundsätzlich sei er bereit, mit den US-Behörden zusammenzuarbeiten. Der Koka-Anbau, der mit Unterstützung aus den USA bekämpft wird, war eines der wichtigsten Themen im Wahlkampf.

Quelle: ap

 
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