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US-Wahlkampf
Es ist Trump, Dummkopf!

Fotos: Tycoon, Unternehmer und Präsidentschaftskandidat
Fotos: Tycoon, Unternehmer und Präsidentschaftskandidat FOTO: afp, so
Meinung | Washington. US-Wahlkämpfe gehören zu den weltweit am meisten verfolgten politischen Vorgängen. Schließlich geht es um die Auswahl der einflussreichsten Person, die über Krieg oder Frieden entscheiden kann. Donald Trump lässt die Welt schon vor der Wahl zittern. Ein Mann zum Schießen. Von Gregor Mayntz

Im Trump-Stil könnte dieser Kommentar wie folgt beginnen: "Wenn Donald Trump erst einmal Präsident ist, dann ist alles zu spät, obwohl, Bewaffnete, vielleicht können die, ich weiß es nicht." Hätte dieser Kommentar dann zum Präsidentenmord aufgerufen? Oder nur daran erinnert, dass alle Amerikaner, denen der zweite Verfassungszusatz so wichtig ist, durch eine Wahlentscheidung für Hillary Clinton einen Präsidenten Trump noch verhindern können?

Obwohl. Vielleicht. Er weiß auch nicht...

Und wie ist es dann damit: "Wenn sie (gemeint ist Hillary Clinton) ihre Richter auswählen kann (also als gewählte US-Präsidentin), dann könnt ihr nichts mehr tun, Leute. Außer vielleicht die Unterstützer des Rechts auf Waffenbesitz, vielleicht können die. Ich weiß es nicht."

Was Trump bei einem Wahlkampfauftritt über Clinton, den Verfassungszusatz und den Weg des Verhinderns laut vor sich hin dachte, lässt sich logisch überwiegend als Beschreibung eines Präsidentenmordes interpretieren. Denn er setzt die Wahl Clintons bereits voraus und geht nicht darauf ein, diese Wahl verhindern zu wollen. Daher erklärt sich, dass die Andeutung sogar per Eilmeldung in Europa verbreitet wurde. Aber es sind Unschärfen und Hintertüren eingebaut, die typisch sind für Trump. Erst zündeln, dann schnell wegrennen. So geht das nun schon seit Monaten. Sehr beliebt ist auch das Verstecken hinter dem, was angeblich viele denken. Dann kann man denen Zucker geben und hinterher so tun, als habe man sie nur zitiert, ohne sich deren Sicht zu eigen zu machen. Obwohl. Vielleicht. Er weiß auch nicht.

Als Konsequenz haben sich nun auch führende Republikaner dem Reigen der Dauer-Entsetzten angeschlossen, halten ihren eigenen Mann für absolut ungeeignet. Wie will einer Präsident sein und mitverantwortlich für die Entwicklung der weltweiten Sicherheitspolitik, wenn er offenbar nicht mal mitgekriegt hat, dass Russland Teile der Ukraine besetzte? Wie ist es um einen Oberbefehlshaber der Streitkräfte bestimmt, wenn er sich und Berater fragt, warum die Atombomben nicht eingesetzt werden? Und was ist von einem Präsidentschaftskandidaten zu halten, der jetzt schon eine mögliche Wahlniederlage als Wahlbetrug darstellt und sein Umfeld als Folge ein "Blutbad" in Amerika heraufbeschwören lässt?

Eskalationsspirale noch lange nicht am Ende

In der Rezession schwor Präsidentschaftskandidat Bill Clinton seinen Wahlkampfstab ein, immer den allerwichtigsten Grund seiner Kandidatur im Auge zu behalten: "Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf!", lautete die Formel, it's the economy, stupid! Der gesamte aktuelle Wahlkampf lässt sich inzwischen auf eine ähnliche Formel bringen: "It's Trump, stupid!" Jeder, der sehen will, kann es erkennen, und jeder der hören will, kann verstehen, was diesen Menschen so gefährlich macht. Er bedient die Sehnsucht, es dem verhassten "Establishment" im fernen, angeblich abgehobenen Washington mal so richtig zu zeigen. Es ist das populistische Spiel, alle Probleme der Welt als simplen Nagel darzustellen und sich selbst als Hammer zu präsentieren. Deshalb wird jede auch noch so laute Warnung vor ihm in seinem Lager auch nur als letzter Abwehrreflex eines ertappten Systems wahrgenommen.

Generationen von USA-Faszinierten rund um die Welt bewunderten die Selbstreinigungskräfte dieses Landes, das in der Lage war, tief in den Sumpf zu geraten, aber immer wieder Wege fand, kraftvoll selbst wieder rauszukommen. Ob diese Gesetzmäßigkeit in einer tief zerstrittenen Gesellschaft noch funktioniert, wagen immer mehr Beobachter zu bezweifeln. Möglicherweise bastelt ein Heer von Juristen schon an Möglichkeiten, nicht nur einen schon amtierenden Präsidenten anzuklagen und aus dem Verkehr zu ziehen, sondern schon einen Kandidaten.

Auf jeden Fall dürfte die Eskalationsspirale der Trump-Aufreger noch lange nicht zu Ende sein. Wer das nicht für möglich hält, dem sei gesagt: Es ist Trump, Dummkopf!

(may-)
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