Atomwaffentest in Nordkorea: Eskalation mit Ansage
VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 25.05.2009 - 10:33Düsseldorf (RPO). Der am Montag durchgeführte Atomtest Nordkoreas ist der vorläufige Höhepunkt einer Reihe von Provokationen des kommunistischen Regimes in Richtung Westen. Der erneute Atomtest kann als Machtdemonstration nach innen wie außen gewertet werden. Von der internationalen Empörung zeigt sich Nordkorea unbeeindruckt: Schon droht Nordkorea mit weiteren Atomwaffentests.
Nach den scharfen internationalen Reaktionen auf seinen jüngsten Atomtest hat Nordkorea mit weiteren Tests gedroht. Wenn die USA und ihre Verbündeten "ihre Politik der Einschüchterung" gegen Pjöngjang weiter verfolgten, werde es weitere Atomtests geben, sagte ein namentlich nicht genannter ranghoher Vertreter der nordkoreanischen Botschaft in Moskau am Montag der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass.
Die kommunistische Diktatur hatte am Montag nach eigenen Angaben den zweiten unterirdischen Atomtest seit 2006 durchgeführt, was durch das russische Verteidigungsministerium bestätigt wurde. Im direkten Anschluss feurte Nordkorea südkoreanischen Medienberichten zufolge eine Kurzstreckenrakete zu Testzwecken ab.
Laut russischem Verteidigungsministerium hatte die gezündete Bombe eine Sprengkraft von zehn bis 20 Kilotonnen. Zum Vergleich: Die von den USA 1945 über Hiroshima abgeworfene Atombombe besaß eine Sprengkraft von rund 15 Kilotonnen. Der 2006 durchgeführte Test hatte noch eine so geringe Sprengkraft, dass es zunächst Zweifel gab, ob Nordkorea nicht mittels konventionellem Sprengstoff eine Nuklearexplosion simulierte. Erst eine Woche später bestätigten US-Geheimdienste, nukleare Spuren entdeckt zu haben.
UN-Sicherheitsrat kommt zusammen
US-Präsident Barack Obama bezeichnete den neuen nordkoreanischen Atomtest als "Bedrohung für den internationalen Frieden". Der Präsident kündigte in einer am Montag in Washington veröffentlichten Erklärung eine Reaktion der internationalen Gemeinschaft an. Das Vorgehen Pjöngjangs sei zwar keine Überraschung, aber "Grund zu tiefer Besorgnis für alle Nationen". Auch die Bundesregierung verurteilte den nordkoreanischen Atomtest "auf das Schärfste". Der Test verstoße gegen UN-Resolutionen, sagte Außenamtssprecher Jens Plötner am Montag vor Journalisten in Berlin.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow kündigte für den Abend (22.00 Uhr MESZ) eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates zu dem Atomtest an. Lawrow äußert sich in einer Erklärung aus Beirut "beunruhigt", wie mehrere russische Nachrichtenagenturen meldeten.
Nordkorea will offenbar Durck erhöhen
Der Test kann als Signal nach innen und außen gedeutet werden: Internationale Beobachter gehen davon aus, dass Nordkorea mit dem neuerlichen Atomtest den Druck auf die internationale Gemeinschaft erhöhen will. Andererseits kann der Versuch aber auch als eine nach innen gerichtete Machtdemonstration von Regierungschef Kim Jong-Il interpretiert werden. Die Online-Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" zitiert die Nordkorea-Expertin des Shanghaier Instituts für internationale Beziehungen, Yu Yingli, mit der Einschätzung, der Test könnte den Zweck haben, die Kontrolle des Diktators über das Land zu stärken.
Höhepunkt eines langen Vorgeplänkels
Die lange Reihe von Provokationen Richtung internationaler Gemeinschaft begann 2002: Damals weist die Diktatur die seit 1991 anwesenden Inspektoren der UN-Organisationen IAEA aus dem Land aus und gibt erstmals öffentlich zu, an einem Atomprogramm zu arbeiten. 2003 folgt die offizielle Aufkündigung des Atomwaffensperrvertrags.
Doch Kurs der isolierten Diktatur gegenüber dem Rest der Welt ist nicht gradlinig. 2005 setzt zunächst Tauwetter ein. Das Land stimmt Verhandlungen über das Atomprogramm mit Südkorea, den USA, Japan, Russland und China zu und nimmt parallel auch Gespräche zur Aussöhnung mit Südkorea auf. Höhepunkt der Friedensbemühungen ist der 19. September. Damals vereinbart Nordkorea vereinbart in den Sechs-Parteien-Gesprächen das Atomprogramm aufzugeben. Im Gegenzug erhält das unter der defizitären Planwirtschaft leidende Land Öl- und Energiehilfen.
Die Entspannungspolitik findet 2006 ihre abruptes Ende. Nordkorea schockiert die Welt mit einem ersten unterirdischen durchgeführten Atomwaffentest. Der Test sorgt für insbesondere im verfeindeten Südkorea und Japan für große Beunruhigung, das für Raketen in Reichweite liegt. Die Reaktion der internationalen Gemeinschaft erfolgt prompt: Eine UN-Resolution untersagte dem Land fortan Raketentests, 2006 folgte eine Resolution die Atomwaffentests verbat.
In jüngster Zeit beschleunigte sich Eskalation weiter: Am 5. April vermeldet das Land erstmals den Start einer Langstreckenrakete. Die Rakete landet zwar vermutlich nicht, wie von Nordkorea behauptet, im Orbit, sondern im Meer - dennoch ist die internationale Gemeinschaft alarmiert. Im Anschluss verschärft sich der Konflikt mit dem Westen: Die Vereinten Nationen verurteilen den Start der Rakete – als Reaktion bricht Pjöngjang die Sechs-Nationen-Gespräche über sein Atomprogramm ab. Kurz danach folgen die zwischenzeitlich wieder eingereisten internationalen Atominspektoren der Aufforderung Nordkoreas, das Land zu verlassen.
Mit Agenturen
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum