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Wirbel um Interview: EU-Kommissar des Antisemitismus bezichtigt

zuletzt aktualisiert: 03.09.2010 - 18:06

Brüssel (RPO). Mit Kommentaren über die angeblich irrationale Haltung vieler Juden zum Nahostkonflikt hat der belgische EU-Kommissar Karel De Gucht eine Polemik auf europäischer Ebene entfacht. Die Europäische Kommission distanzierte sich am Freitag in Brüssel von den Äußerungen, der Europäische Jüdische Kongress reagierte bestürzt auf den "empörenden Antisemitismus". De Gucht äußerte daraufhin Bedauern, dass er falsch verstanden worden sei.

In der Kritik: EU-Kommissar Karel De Gucht.  Foto: BELGA, AFP
In der Kritik: EU-Kommissar Karel De Gucht. Foto: BELGA, AFP

De Gucht, der in der Kommission für den Außenhandel zuständig ist, hatte am Donnerstag im flämischen Rundfunk VRT über den Nahostkonflikt gesprochen. Es gebe einen "Glauben bei der Mehrzahl der Juden, dass sie Recht haben", sagte er auf Niederländisch. Es sei schwierig, gegen diesen Glauben "mit rationalen Argumenten zu kämpfen".

Unklar war, ob sich De Gucht damit nur auf die außerhalb Israels lebenden Juden bezog, über die er zuvor gesprochen hatte. Über die jüdische Interessenvertretung in Washington urteilte der Handelskommissar, dass man ihren Einfluss auf die US-Politik nicht unterschätzen dürfe: "Es ist die bestorganisierte Lobby dort."

De Gucht bedauert

Nach teils harter Kritik gab De Gucht am Freitag eine Erklärung an die Presse heraus. "Ich bedaure, dass die von mir gemachten Kommentare in einem Sinne gedeutet wurden, den ich nicht beabsichtigt hatte." Er habe die Jüdische Gemeinschaft nicht stigmatisieren wollen. Antisemitismus verstoße "fundamental gegen unsere europäischen Werte". Zuvor hatte ein Sprecher der Kommission die Einlassungen im Rundfunk als "persönliche Kommentare" bezeichnet. "Sie repräsentieren nicht die wohlbekannte Meinung der Kommission zum Nahost-Friedensprozess".

Der Europäische Jüdische Kongress stellte die Äußerungen in eine Reihe mit den Aussagen von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin über ein angebliches jüdisches Gen. Das Schmähen von Juden sei "offenbar auf den höchsten Ebenen der Europäischen Union akzeptabel", hieß es in einer Mitteilung.

Provokante Äußerungen

De Gucht hatte in der Vergangenheit mehrfach mit provokanten Äußerungen Aufsehen erregt. Als belgischer Außenminister und EU-Kommissar prangerte er lauthals Korruption in der Demokratischen Republik Kongo an. Die Kritik an der ehemaligen belgischen Kolonie führte zu schweren diplomatischen Verwicklungen.

Quelle: AFP

 
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