Klimapolitik: EU will Glühbirnen 2009 verbieten
VON ANJA INGENRIETH UND STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 18.06.2008 - 08:09Brüssel (RP). In Europa sind die Tage der Glühbirne gezählt: Brüssel verbannt sie aus den Haushalten. Die Kommission will stattdessen effizientere Energiesparlampen vorschreiben, um C02 zu sparen. Bereits 2009 soll die Regelung stehen. Das bestätigten Beamte der EU-Exekutive unserer Redaktion.
Die Europäische Kommission will noch 2008 neue Vorschriften für die Verwendung von Leuchtmitteln auf den Weg bringen. Sie sollen im Frühjahr 2009 unter Dach und Fach sein. Das Verbot von Glühlampen wird schrittweise in Kraft treten, sich an Wattzahlen sowie Energieeffizienzklassen orientieren.
"Klar ist: Mitte des kommenden Jahrzehnts wird die Glühlampe in Europa verschwunden sein", sagt Jürgen Waldorf, Experte des Zentralverbandes Elektroindustrie (ZVEI). Er warnt jedoch vor Engpässen, sollte Brüssel kürzere Übergangsfristen als 2015 durchsetzen: "Früher sind die nötigen Produktionskapazitäten für den EU-Bedarf von zwei Milliarden Glühlampen pro Jahr nicht zu schaffen."
Der CDU-Europaabgeordnete Liese (CDU) begrüßt das Glühlampen- Verbot als "wertvollen Beitrag zur Entlastung der Bürger angesichts der hohen Energiekosten". "Für die Verbraucher rechnet sich das Ganze", so der Experte aus Meschede.
Die Kommission geht von Einsparungen für die Verbraucher in Europa von 5 bis 8 Milliarden Euro aus. Wenn alle Haushalte auf Energiesparlampen umstellten, spart dies allein in Deutschland 7,5 Milliarden Kilowattstunden Strom – das entspricht 4,5 Millionen Tonnen weniger an klimaschädlichem Kohlendioxid. EU-weit sind es gar 23 Millionen Tonnen weniger C02 pro Jahr.
Die Maßnahme ist Teil des Klimaschutz-Pakets der EU, das Bundeskanzlerin Merkel maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat. Bis 2020 soll die Energieeffizienz europaweit um 20 Prozent steigen. SPD-Umweltpolitiker Kelber begrüßte gestern die Umrüstung auf Sparlampen. "Wir müssen aus der Stromverschleuderungs-Technologie aussteigen." Die Koalition habe "das Verbot der Glühbirne im Koalitionsvertrag stehen".
Verbraucherschützer sind für die Sparlampen-Pflicht, werfen Brüssel aber vor, die Bürger durch Protektionismus unnötig zu belasten. Der Grund: Seit 2001 bestraft die EU günstige Niedrigenergielampen aus China mit Zöllen von bis zu 66 Prozent. Experten zufolge zahlen die Europäer deshalb 100 Millionen Euro jährlich zu viel.
Auch Neuseeland kündigte gestern an, die Glühbirnen vom Oktober 2009 an zu verbieten und durch Energiesparlampen zu ersetzen, um damit Geld und CO2 einzusparen. Als erstes Land hatte Australien 2007 beschlossen, die Verwendung herkömmlicher Glühbirnen zu untersagen.
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