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Japans neuer Ministerpräsident Taro Aso: Ex-Diamantenhändler ist nun Regierungschef

zuletzt aktualisiert: 24.09.2008 - 16:37

Tokio (RPO). Taro Aso ist endlich am Ziel: Der bisherige japanische Außenminister Taro Aso wurde am Mittwoch zum Ministerpräsidenten des Lande gewählt. Der 68-Jährige hat einen ungewöhnlichen Lebenslauf. Er war schon Diamantenhändler und nahm als Tontaubenschießer an Olympischen Spielen teil.

Der bisherige japanische Außenminister Taro Aso ist neuer Ministerpräsident Japans.  Foto: AP, AP
Der bisherige japanische Außenminister Taro Aso ist neuer Ministerpräsident Japans. Foto: AP, AP

Obwohl Aso schon häufig mit seinem Hang zu Sarkasmus angeeckt ist, ist er bei den Japanern beliebter als der blasse Fukuda. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger gilt Aso nicht nur als humorvoll, sondern auch als durchsetzungsfähig - ein nicht unwesentlicher Vorteil angesichts einer kämpferischen Opposition.

Ungewöhnlicher Lebenslauf

Mit der Wahl zum Regierungschef setzt Aso eine Familientradition fort. Sein Großvater Shigeru Yoshida war von 1946 bis 1954 Ministerpräsident, sein Schwiegervater Zenko Suzuki von 1980 bis 1982. Seine Schwester heiratete in die Kaiserfamilie ein. Aso genoss jedoch in jungen Jahren zunächst einmal das Leben fernab der Heimat. Zum Studium ging er nach Kalifornien - bis ihn seine Eltern aus Sorge, er könnte den amerikanischen Slang annehmen, nach England schickten. Als 30-Jähriger zog er für zwei Jahre ins westafrikanische Sierra Leone und verdingte sich als Diamantenhändler, 1976 nahm er bei den Olympischen Spielen in Montreal am Tontaubenschießen teil.

Aso liest gerne Manga-Comics

Trotz seines ungewöhnlichen Lebenslaufes kommt der Angehörige der katholischen Minderheit beim Volk an - nicht zuletzt wegen seines Hangs zur japanischen Populärkultur aus Mangas, Mode, Musik und Computerspielen. Zufällig erwischte ihn eine Fernsehkamera dabei, als er an einem Flughafen in einen der typisch japanischen Comics vertieft war. Er machte sich dies zu Nutzen und rief den Internationalen Manga-Preis ins Leben.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung im vergangenen Jahr im High-Tech- und Comicviertel von Tokio, Akihabara, war er sich nicht zu schade, auf das Dach eines Lastwagens zu steigen und zu rufen: "Anwohner und selbsternannte Computerfreaks von Akihabara, ich bin Taro Aso. Danke für eure Unterstützung."

"Lustigster Regierungschef in der Geschichte"

Humor bewies Aso auch beim Regionaltreffen ASEAN 2006, als er bei einer Gesangsshow mit Hut und Trenchcoat auf die Bühne stellte und Humphrey Bogart imitierte. Nach den Worten des ehemaligen Justizministers Kunio Hatoyama wird Japan mit Aso "den lustigsten Regierungschef in der Geschichte" bekommen. Doch Asos Humor kommt nicht immer an. Erst vergangene Woche musste er sich bei kleinen Städten im Zentrum Japans entschuldigen, weil er sich erleichtert gezeigt hatte, dass nur diese von schweren Überschwemmungen betroffen waren und nicht dicht bevölkerte Gebiete. 2007 entschuldigte er sich nach einem schlechten Scherz über Alzheimer.

Doch weder seine spitzen Bemerkungen, noch der Vorwurf, das Zementunternehmen seiner Familie habe während der japanischen Kolonialherrschaft in Korea koreanische Sklaven gehalten, schadeten Asos Karriere. Er hatte mehrere Ministerposten inne, bevor er von 2005 als 2007 als Außenminister diente. Als Regierungschef will er nun das von Fukuda beschlossene Konjunkturprogramm fortführen, um die japanische Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren.

In seinen Reden, bei denen Aso mit rauer Stimme die Zuhörer in den Bann zieht, spricht er oft von sich in der dritten Person. Kürzlich nahm er seinen Gegnern den Wind aus den Segeln, indem er deren Kritik selbst formulierte: "Taro Aso wird öffentliche Gelder verschwenden, Taro Aso neigt zu Ausrutschern und Taro Aso wird China und Südkorea gegen sich aufbringen", sagte er ironisch. Tatsächlich zeichnete sich die Außenpolitik des selbsternannten "Falken" stets durch eine harte Haltung gegenüber China aus, während er das Bündnis mit den USA stets hochhielt. Inzwischen betont Aso jedoch die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Tokio und Peking. Für Ex-Justizminister Hatoyama wird Aso vor allem eines bringen: Das Ende des "griesgrämigen, laschen" Japans.

Quelle: afp

 
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