Anschläge wären fehlgeschlagen: Experte hat Zweifel an Terror-Szenario von London
zuletzt aktualisiert: 30.08.2006 - 12:14Hamburg (rpo). Ein Experte hat Zweifel daran geäußert, dass es den mutmaßlichen Flugzeug-Terroristen von London tatsächlich gelungen wäre, Maschinen in die Luft zu sprengen. Der Sprengstoff, über den die Täter verfügten, lasse sich nicht innerhalb kurzer Zeit an Bord eines Flugzeugs zusammenbauen.
"So wie uns das Szenario bis jetzt dargestellt wurde, hätte es nie funktioniert", sagt Wylde dem "Stern". Wylde, der einst selber in Nordirland als Offizier der Armee Terrorbomben entschärfte und heute als Waffensachverständiger bei Gericht tätig ist, argumentiert, der genannte Sprengstoff TATP lasse sich nicht realistisch aus mehreren Komponenten an Bord eines Flugzeugs zusammen mischen.
Die britischen Sicherheitsbehörden hatten Anfang August 25 Terrorverdächtige festgenommen, die angeblich geplant hatten, gleichzeitig bis zu zehn Verkehrsflugzeuge über dem Atlantik zu sprengen. Dabei sollten, so der von offizieller Seite dargelegte Plot, flüssige Substanzen in Getränkeverpackungen an Bord geschmuggelt und dort zum Sprengstoff TATP angemischt werden.
Dies funktioniere, so Wylde gegenüber dem "Stern", aber nur bei Null Grad Celsius, dauere viele Stunden und rieche stark nach Chemie. "Entweder die Sicherheitskräfte haben ganz andere Erkenntnisse", so Wylde, "oder sie haben eine Gruppe junger Menschen auffliegen lassen, die zwar dachten, sie könnten Tausende töten, es aber nie vermocht hätten."
Aussagen von Scotland-Yard-Vize Paul Stephenson, es sei "ein Massenmord unglaublichen Ausmaßes" verhindert worden, gelten in Londoner Sicherheitskreisen inzwischen als "unglücklich". Bisher sind fünf Verdächtige wieder auf freiem Fuß, zwölf wurden angeklagt, darunter drei, weil sie die Behörden nicht informiert haben.
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