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Explosion in U-Bahn-Station
Trump verärgert mit Spekulationen die Londoner Polizei

Fotos: Explosion in Londoner U-Bahn
Fotos: Explosion in Londoner U-Bahn FOTO: afp
Washington. Nach der Explosion in einer U-Bahn-Station in London fahndet die Polizei nach den Tätern. Mit Informationen halten sich die Ermittler noch zurück – und reagieren deshalb verärgert auf einen Kommentar von US-Präsident Trump: Auf Twitter spekulierte er über die mutmaßlichen Attentäter. 

US-Präsident Donald Trump schrieb am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter, die mutmaßlichen Attentäter seien im Vorfeld "im Visier von Scotland Yard" gewesen. Es sei notwendig, "proaktiv" gegen die Extremisten vorzugehen, fügte er hinzu. Damit zog Trump den Unmut der britischen Sicherheitsbehörden auf sich.

Die Londoner Polizei bezeichnete den Kommentar des US-Präsidenten als "nicht hilfreiche Spekulation". Nick Timothy, der frühere Stabschef von Premierministerin Theresa May, zeigte sich überzeugt, dass Trump nicht wisse, wovon er rede. Ob die Anmerkung des US-Präsidenten zutreffe oder nicht – sie sei "so wenig hilfreich" vom Präsidenten eines Landes, mit dem Großbritannien in der Geheimdienstarbeit kooperiere, schrieb Timothy auf Twitter.

Video: Explosion in Underground-Station Parsons Green

Es war zunächst völlig unklar, ob die britischen Behörden konkrete Hinweise darauf hatten, wer hinter der Detonation des Sprengsatzes steckte und ob ihnen der oder die möglichen Täter tatsächlich bereits im Vorfeld bekannt waren. Träfe dies zu, dann hätte Trump die brisante Information preisgegeben, bevor die britischen Behörden damit an die Öffentlichkeit gingen.

Am Nachmittag hatte Londons Bürgermeister Sadiq Khan dem Radiosender LBC gesagt: "Die Fahndung läuft." Ob bereits konkrete Personen im Visier der Behörden sind, dürfe er aber nicht sagen. Hunderte Polizisten waren am Nachmittag damit beschäftigt, Videomaterial und andere Beweismittel auszuwerten, wie der Chef der Londoner Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, mitteilte.

Bereits Ärger nach Anschlag auf Pop-Konzert

Bereits nach dem Selbstmordattentat auf ein Pop-Konzert der US-Sängerin Ariana Grande im Mai in Manchester mit 22 Todesopfern hatte es Spannungen zwischen den britischen und den US-Behörden gegeben. Britische Behördenvertreter waren erzürnt darüber, dass mit den US-Partnern geteiltes Material an die Medien gelangt war.

Die "New York Times" hatte damals Fotos von den Resten der Bombe veröffentlicht. Außerdem hatte Trump nach einem Anschlag in London, bei dem Anfang Juni sieben Menschen starben, den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan mit Vorwürfen verärgert, dieser nehme die terroristische Bedrohung nicht ernst.

Bei der Explosion an diesem Freitag in der Londoner U-Bahn-Station Parsons Green wurden mindestens 22 Menschen verletzt. Scotland Yard stufte den Vorfall als "terroristisch" ein.

(wer/AFP)
 
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