Gewalt reißt nicht ab: Fast 60 Tote bei Anschlägen und Gefechten im Irak
zuletzt aktualisiert: 28.08.2006 - 20:07Bagdad (rpo). Die anhaltende Gewalt im Irak hat am Montag erneut fast 60 Menschen das Leben gekostet. In Diwanija südlich von Bagdad lieferten sich Kämpfer der Mahdi-Miliz des radikalen schiitischen Geistlichen Muktada al Sadr heftige Gefechte mit Sicherheitskräften, dabei wurden nach Angaben eines Krankenhausarztes 40 Menschen getötet. Vor dem Innenministerium in der Hauptstadt riss ein Selbstmordattentäter 16 Menschen mit in den Tod, darunter zahlreiche Polizisten.
Auslöser der Gefechte in Diwanija waren Razzien der irakischen Streitkräfte, die am Sonntagabend Häuser in drei Stadtteilen durchsuchten und Waffen beschlagnahmten. Militärsprecher Fatik Ajed erklärte, die Kämpfe dauerten bis zum Montag an. Der Arzt Mohammed Abdul Muhsen sprach im örtlichen Krankenhaus von 40 Toten, darunter 25 Soldaten. Rund 75 Menschen seien verletzt worden. Nach Angaben eines irakischen Militärsprechers wurden mindestens zehn Kämpfer festgenommen.
Der Attentäter in Bagdad rammte mit seinem Auto einen Kontrollpunkt vor dem Gebäude des Innenministeriums, wie die Polizei erklärte. Unter den Todesopfern waren zehn Polizisten. Weitere 47 Menschen wurden verletzt.
Im mehrheitlich sunnitisch bewohnten Bagdader Stadtteil Dschihad detonierte eine weitere Bombe und traf ein Auto mit fünf Insassen. Ein Mann wurde getötet, die vier anderen erlitten schwere Verletzungen.
Bereits am Sonntag waren landesweit mehr als 50 Menschen getötet worden. Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki versicherte jedoch in einem CNN-Interview, das Land befinde sich nicht im Bürgerkrieg. US-Militärsprecher William Caldwell sagte, es sei gelungen, die Gewalt zu reduzieren. Die irakischen Sicherheitskräfte machten Fortschritte.
Am Wochenende wurden bei Anschlägen in der Umgebung von Bagdad acht US-Soldaten getötet, wie die Streitkräfte am Montag mitteilten. Sieben kamen durch Bombenanschläge ums Leben, ein weiterer bei einem Feuergefecht. Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 sind mehr als 2.600 US-Militärangehörige getötet worden.
Der britische Verteidigungsminister Des Browne traf am Montag zu Gesprächen über die Sicherheitslage in Bagdad ein. Browne kam zunächst mit seinem irakischen Kollegen Abdul Kader Mohammed Dschassim al Mifardschi zusammen. Später war auch ein Gespräch mit Al-Maliki geplant, wie ein Sprecher der britischen Botschaft erklärte. Es wurde erwartet, dass es bei den Gesprächen um die Übergabe der Kontrolle in die südlichen Provinzen an die irakischen Streitkräfte geht. Die irakischen Truppen übernahmen bereits im Juli die Kontrolle über die Provinz Muthanna. Maisan und Dhi Kar, wo ebenfalls britische Streitkräfte stationiert sind, sollen in den kommenden Monaten übergeben werden. In der vergangenen Woche erklärte das britische Verteidigungsministerium, man wolle die Zahl seiner Soldaten im Irak von derzeit 7.000 bis Mitte 2007 auf 3.000 bis 4.000 reduzieren.
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