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Gewalt im Gazastreifen: Fatah legt Regierungsämter auf Eis

zuletzt aktualisiert: 12.06.2007 - 22:25

Gaza (RPO). Im Gazastreifen ist der Machtkampf zwischen der islamistischen Hamas und der gemäßigteren Fatah am Dienstag eskaliert. Die Fatah spricht bereits von Krieg. Angesichts der Gewalt haben die Minister der Fatah ihre Ämter bis auf weiteres niedergelegt.

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Wie das Zentralkomitee der Organisation am Dienstag mitteilte, beenden die Minister der Fatah bis auf weiteres ihre Beteiligung an der palästinensischen Regierungskoalition. Die Minister legen ihre Arbeit demnach nieder, bis die Kämpfe mit der Hamas beendet sind. Seit Montag kosteten die Gefechte mindestens 37 Menschen das Leben.

In einem zur Hamas gehörenden Radiosender hieß es am Dienstag, die Organisation habe die Kontrolle über Sicherheitseinrichtungen im Norden und in der Mitte des Gazastreifens übernommen. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas warf der Hamas vor, einen Putsch zu planen. Die Fatah spricht von Krieg.

Über die Lautsprecher einer Moschee in Gaza wurde gewarnt, die Hamas werde auch den Sitz des Präventiven Sicherheitsdienstes angreifen, der der Fatah nahe steht. Kurz danach waren dort vereinzelt Schüsse zu hören.

Kämpfer der radikalislamischen Hamas-Organisation haben Hauptquartiere von Fatah-nahen Sicherheitskräften gestürmt. Beide Seiten lieferten sich in Gaza heftige Gefechte, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. In Gaza sowie in dem im Norden des Gazastreifens gelegenen Ort Dschabalija seien zwei Hauptquartiere der Einheiten, die der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nahestehen, von den Hamas-Kämpfern angegriffen worden, berichteten Sicherheitskreise und Augenzeugen. Mit Automatikwaffen und Raketenwerfern versuchten die Hamas-Kämpfer demnach, die Gebäude einzunehmen. Zu möglichen Opfern gab es zunächst keine Angaben.

Die Hamas hatte zuvor die der Fatah nahe stehenden Sicherheitskräfte ultimativ aufgerufen, ihre Stellungen im Gazastreifen zu räumen.

In einer Erklärung von Abbas aus Ramallah im Westjordanland, wo der Präsident mit Fatah-Führern beriet, hieß es, alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass einige politische und militärische Führer der Hamas die rechtmäßigen Institutionen stürzen wollten. Sie glaubten, sie könnten den Gazastreifen mit Gewalt regieren.

Angesichts der eskalierenden Gewalt hat der palästinensische Präsident Mahmud Abbas an seine Fatah sowie die rivalisierende Hamas appelliert, die Waffen umgehend niederzulegen. "Um das höherrangige nationale Interesse unseres Volkes zu schützen und um das Blutvergießen zu beenden, rufe ich in meiner Position als Oberhaupt der palästinensische Autonomiebehörde und Chef aller Sicherheitskräfte zu einer sofortigen Feuerpause auf", erklärte Abbas in Ramallah.

Fatah-Sprecher: Situation kann nur als Krieg bezeichnet werden

Einer der Kommandeure der Fatah im südlichen Gazastreifen, Oberst Nasser Chaldi, räumte ein, dass seine Einheiten in der Defensive seien. Er forderte Abbas auf, den Befehl zum Gegenangriff zu geben. "Es gibt eine Schwäche unserer Führung", sagte Chaldi. "Die Hamas übernimmt einfach unsere Stellungen. Es gibt keine Befehle. Die Befehle müssen von Abbas kommen, von niemandem sonst."

An mehreren Orten im Gazastreifen kam es zu heftigen Gefechten. Ägyptische Vermittler meldeten, beide Seiten hätten es abgelehnt, sich zu Waffenstillstandsverhandlungen zu treffen. Bei den heftigen Kämpfen zwischen der Hamas und der Fatah wurden am Montag und Dienstag mindestens 18 Menschen getötet.

Die Situation könne nur noch als Krieg bezeichnet werden, sagte Fatah-Sprecher Maher Mikdad. In einer Botschaft der Fatah wurden alle Mitglieder aufgerufen, alle politischen und militärischen Führer der Hamas anzugreifen. Für Empörung sorgte bei der Partei von Abbas vor allem der Überfall auf den Fatah-Funktionär Dschamal Abu al Dschedijan, der am Montagabend im nördlichen Gazastreifen aus seinem Haus gezerrt und mit 45 Schüssen getötet wurde.

Um den innerpalästinensischen Konflikt zu bereinigen, wurde die Fatah im März an der Regierung beteiligt. Im Streit über die Kontrolle der Sicherheitskräfte flammten Mitte Mai aber neue Kämpfe zwischen Fatah und Hamas auf. Seitdem kamen dabei mehr als 80 Menschen ums Leben.

Der UN-Sondergesandte Terje Roed-Larsen zeigte sich alarmiert über die wachsende Gewalt im Nahen Osten. Er sehe drei Alternativen für die Region und die internationale Gemeinschaft, sagte Roed-Larsen am Montag vor Journalisten in New York: einen Krieg, neue Bemühungen zur Eindämmung der Gewalt und eine engagierte Diplomatie, um einen dauerhaften Frieden zu erreichen.

Quelle: ap

 
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