Vier Todesopfer: Festnahmen nach Selbstmordanschlag in Tel Aviv
zuletzt aktualisiert: 26.02.2005 - 09:19Tel Aviv (rpo). Wenige Stunden nach dem Selbstmordanschlag in Tel Aviv haben israelische Truppen am Samstag bereits fünf Personen festgenommen und den Täter identiziert. Aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete, es handele sich um einen 21-jährigen Studenten aus dem Westjordanland. Bei dem Anschlag am späten Freitagabend wurden vier Menschen getötet und mehr als 50 verletzt.
Unter den Festgenommen sind den palästinensischen Angaben zufolge zwei Brüder des Selbstmordattentäters und der Imam ihres Dorfs Deir al Ghusun, das nördlich der Stadt Tulkarem liegt. Die israelischen Streitkräften ordneten ein Ausgehverbot für die Bevölkerung des Orts an.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas kündigte nach einer Krisensitzung eine entschlossene Fahndung nach den Hintermännern an und erklärte: "Die palästinensische Regierung wird angesichts dieses Sabotageakts nicht ruhig bleiben." Die Verantwortlichen würden aufgespürt und ihrer Strafe zugeführt, versprach Abbas. Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erekat sagte: "Wer auch immer dahinter steckt, ist entschlossen, alle Bemühungen zur Erneuerung des Friedensprozesses zu sabotieren", sagte Erekat. Diese Kräfte dürften keinen Erfolg haben.
Der Selbstmordattentäter zündete vor der Diskothek "Stage" nahe der Strandpromenade von Tel Aviv eine mit Metallsplittern versetzte Bombe - inmitten einer Gruppe von 20 bis 30 jungen Leuten, die auf Einlass warteten. Die Wucht der Detonation beschädigte die Vorderfront des Nachtklubs "Stage". Auch gingen die Fenster mehrerer Gebäude in der Nachbarschaft zu Bruch.
Als sich der Täter dem Eingang genähert habe, seien Wachleute auf ihn aufmerksam geworden und hätten ihm den Eintritt verwehrt, sagte der Polizeichef von Tel Aviv, David Tsur. So sei eine noch größere Tragödie verhindert worden.
Der israelische Minister für öffentliche Sicherheit, Gideon Esra, rief die Palästinenser auf, mehr zu tun, um solche Anschläge zu stoppen. Zugleich kündigte er aber an, dass die Kontakte mit den Palästinensern fortgesetzt würden.
In Washington erklärte US-Außenministerin Condoleezza Rice, jetzt sei es wichtig, dass die palästinensische Führung sofortige glaubwürdige Schritte zur Fahndung nach den Tätern einleite. "Wir müssen jetzt Aktionen sehen, die die klare Botschaft enthalten, dass Terror nicht geduldet wird", sagte Rice.
Sprecher der militanten Organisationen Islamischer Dschihad, Hamas und Al-Aksa-Brigaden erklärten, dass sie nichts mit dem Anschlag zu tun hätten. In palästinensischen Sicherheitskreisen hieß es, dass die Tat von einem Palästinenser aus dem nördlichen Westjordanland verübt worden sei, der im Auftrag der libanesischen Hisbollah gehandelt habe. Dies wurde von einem Hisbollah-Funktionär in Beirut zurückgewiesen.
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