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Blutiges Comic-Epos: Film "300" schürt Wut des Irans

VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 03.04.2007 - 20:20

Düsseldorf (RP). Am Donnerstag läuft das blutige Comic-Epos "300" in Deutschland an. Gezeigt wird die Schlacht der griechischen Spartaner gegen die Perser. Teheran entrüstet sich über eine neue Front des Westens gegen den Iran. 

Es ist ein einziges blutiges Gemetzel. Halbnackte spartanische Modellathleten und Perser hacken sich reihenweise die Köpfe ab und spießen sich auf. Die Zeitlupe ästhetisiert das Gefecht aufs Äußerste. Der Film heißt "300", und bereits sein Titel glorifiziert die 300 spartanischen Krieger, die um 480 vor Christus gegen ein übermächtiges Heer aus Persien - dem heutigen Iran - zu Felde zogen. Teheran hat die Helden-Stilisierung der griechischen Spartaner gereizt zur Kenntnis genommen; der Film kursiert in Raubkopien im Land.

Nun wirft der Staat Regisseur Zack Snyder billige Propaganda vor und nennt das Werk "anti-iranisch". Das Epos setze den psychologischen Krieg der USA gegen den Iran fort, erklärte der Kunstberater von Präsident Mahmud Ahmadinedschad in einer ersten Reaktion. Ganz Teheran sei in Aufruhr, meldet nun das Magazin "Time", und das staatliche Fernsehen spricht von einer neuen Front, die Hollywood eröffnet habe. "300" sei ein neuerlicher Versuch, das Volk in der Weltöffentlichkeit anzuschwärzen.

Zwei Welten

Tatsächlich werden im Film zwei Welten vorgeführt: die der Spartaner, die schon als Kinder zu Helden gezüchtet werden, sich mutig, stark und opferbereit in den Kampf wagen - und die Welt der Perser, die verweichlicht und grausam in Mittelgriechenland auftreten. Der wahre Hintergrund des Films: Um 480 vor Christus stellte sich der spartanische König Leonidas mit 300 Gefolgsleuten einem gigantischen persischen Heer unter Xerxes I. in den Weg. Seine 300 Krieger blockierten taktisch klug den Thermophylen-Engpass, um die Perser auf ihrem Feldzug durch Griechenland aufzuhalten. In der Schlacht töteten sie mehrere tausend Perser, bevor der letzte Spartaner fiel.

Zeichner Frank Miller übertrug das antike Gemetzel 1998 in ein Comic. Auf seinem Werk beruht der Film des jungen Amerikaners Snyder. Die Filmkritik reagierte in einem Punkt einmütig ablehnend: Sowohl Comic als auch Film zeichneten sich durch ein vor Pathos strotzendes Heldengedicht mit fragwürdiger militaristischer Gesinnung und einer naiven Glorifizierung des Opfermutes der Spartaner aus, lauten die Vorwürfe. Auch von "faschistischer Propaganda" war bereits die Rede.

"Keine Geschichtslektion"

Der Iran fühlt sich gedemütigt. Die Regierung in Teheran hat bei den Vereinten Nationen in New York Protest gegen die Verfilmung eingelegt. Derweil sind Produzenten und der Regisseur bestrebt zu beschwichtigen. Der Film, so Zack Snyder, sei auch schon anti-amerikanisch genannt worden, weil man die heranrückende persische Armee mit den amerikanischen Soldaten im Irak und in Afghanistan verglichen habe. Außerdem sei "300" keine "Geschichtslektion", sondern in seinen Augen ein "sexy Film", der die Körperlichkeit der Spartaner betonen wolle. Die Männer hätten derart tolle Bauchmuskeln, "dass viele Frauen erst einmal Luft holen werden".

Der Film entpuppte sich in den USA am Wochenende als Kassenschlager. 70 Millionen Dollar spielte er allein an zwei Tagen ein, und auch in griechischen Kinos sorgte er für ein Rekordergebnis. "Iraner in Amerika und Europa werden diese Beleidigung nicht hinnehmen", prophezeite die größte iranische Tageszeitung "Hamshari".


 
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