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Überladenes Boot brach auseinander
Frau und Kind bei Flüchtlingsunglück vor Lesbos ertrunken

Flüchtlinge erreichen griechische Insel Lesbos
Flüchtlinge erreichen griechische Insel Lesbos FOTO: dpa, fs sh
Athen. Vor der griechischen Insel Lesbos sind erneut eine Frau und ein Kind bei ihrer Flucht nach Europa ertrunken. Weitere 45 Passagiere eines Flüchtlingsbootes konnten gerettet werden, wie die griechische Hafenpolizei am Mittwoch mitteilte.

Nach Berichten von Überlebenden, die auch Vorwürfe gegen die türkische Polizei erhoben, waren insgesamt 49 Menschen an Bord des Bootes.

Nach Angaben der 20-jährigen Nilofa Ghonami, einer im Iran geborenen Afghanin, brach das für nur 14 Menschen ausgelegte Boot in der Ägäis auseinander. "Es gab Wasser im Boot und alle Leute standen auf einmal auf und die Mitte des Bootes brach durch und alle fielen ins Wasser", erzählte sie. "Die türkische Polizei sah uns und half uns nicht, ein zweites Boot aus der Türkei rief die griechische Polizei an, die uns half." Alter und Nationalität der Opfer waren zunächst unbekannt.

Die EU-Staaten und ihre Flüchtlingspolitik

Die Ägäis-Insel Lesbos ist in den vergangenen Monaten zu einem Hauptanlaufpunkt für Flüchtlinge geworden, die von der Türkei über Griechenland nach Mittel- und Nordeuropa zu gelangen versuchen. Die Polizei zählt bis zu 4000 Ankömmlinge pro Tag.

Seit Jahresbeginn trafen mehr als 330.000 Flüchtlinge auf den griechischen Inseln vor der türkischen Küste ein. Obwohl es nur wenige Kilometer vom türkischen Festland bis zu den Inseln sind, gibt es immer wieder tödliche Unglücke, weil eingesetzte Schlauchboote oft überladen und nicht seetauglich sind.

Allein in den vergangenen zwei Wochen starben bei mindestens sieben Bootsunglücken zwischen der Türkei und Griechenland mehr als hundert Flüchtlinge. Anfang September hatten Fotos des dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen Ailan, dessen Leiche am Strand des türkischen Urlaubsortes Bodrum angeschwemmt wurde, weltweit Bestürzung ausgelöst.

Weitere Informationen zur Flüchtlingskrise in unserem Dossier.

(AFP)
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