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Flüchtlinge
Österreich will Grenze zu Slowenien mit einem Zaun dichtmachen

Fotos: An der Grenze zwischen Österreich und Deutschland
Fotos: An der Grenze zwischen Österreich und Deutschland FOTO: dpa, awe htf
Simbach am Inn. Seit Tagen ist die Situation an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland angespannt. Täglich kommen neue Flüchtlinge an, die dann stundenlang in der Kälte ausharren müssen. Um den Andrang aus Slowenien zu begrenzen, erwägt Österreich, Teile seiner Grenze mit einem Zaun abzusichern.

Am Dienstagabend gegen 21 Uhr warteten laut einem Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung zwischen 1000 und 1200 Flüchtlinge am Grenzübergang Achleiten. Im Laufe des Tages waren Hunderte weitere Flüchtlinge eingetroffen. "Auch wenn die Gesamtzahl etwas niedriger ist als am Montag, sind die Rahmenbedingungen kritischer", sagte der Sprecher. Die Flüchtlinge kämen diesmal zu späterer Stunde an der Grenze zu Niederbayern an und müssten somit bei niedrigeren Temperaturen teils vier oder fünf Stunden lang auf ihren Weitertransport warten. Insgesamt seien knapp 5500 Migranten im Großraum Passau angekommen, an den Tagen davor waren es jeweils über 8000, so der Sprecher.

Österreich erwägt Zaun an Grenze zu Slowenien

Viele Flüchtlinge nehmen den Weg aus Slowenien nach Österreich und gelangen von dort weiter an die Grenze zu Bayern. Um den Andrang aus Slowenien zu begrenzen, erwägt Österreich, Teile der Grenze mit einem Zaun abzusichern. Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner sagte am Mittwoch dem Sender Ö1, es gehe aber nicht darum, die Grenze "dicht zu machen". Vielmehr solle ein "geordneter, kontrollierter Zutritt" geschaffen werden.

Fotos: Flucht zu Fuß von Budapest nach Österreich FOTO: dpa, ase

Den Grenzschützern mache allerdings weniger die Zahl der Flüchtlinge an sich Probleme, als die Tatsache, dass die von den Behörden im Vorhinein angekündigten Zahlen nicht realistisch seien. "Wir haben das Problem, dass wir hier unvorbereitet in relativ kurzer Zeit viele Ankünfte haben, deshalb tun wir uns schwer, die Menschen schnell aus der Kälte zu bringen."

Zwar gebe es Ankündigungen der österreichischen Behörden. "Aber die Zahl der Voranmeldungen und die realistischen Zahlen driften sehr weit auseinander", sagte der Sprecher. In der Regel kämen weitaus mehr Flüchtlinge als angekündigt. Selbst die österreichischen Grenzschützer würden immer wieder überrascht, sagte der Sprecher.

Flüchtlingskinder: "Ich muss nach Deutschland, um zu leben" FOTO: afp, ak-iw

Am Dienstagnachmittag sprangen zwei Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Deutschland in den Grenzfluss Inn. Retter holten die beiden Männer aus dem Wasser.Sie mussten wegen einer Unterkühlung ärztlich versorgt werden. "Diese Aktion zeigt die Verzweiflung der Flüchtlinge, dass sie schnell und mit allen Mitteln nach Deutschland kommen wollen", sagte der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung am Mittwoch. "Die beiden Männer hatten die Strömung unterschätzt, konnten sich aber zum Glück an einem Brückenpfeiler festhalten", sagte er weiter.

Bayern macht Druck auf Österreich

Bayern Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) richtet unterdessen angesichts der Situation an der Grenze zwischen Österreich und Bayern klare Worte an Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Seehofer forderte Merkel auf, bis zum Sonntag für eine Begrenzung der Zuwanderung zu sorgen. Die bayerische CSU drohte der Bundesregierung gar mit einer Verfassungsklage.

"Pegida": "Hier zeigte sich, wie tief Deutschland gespalten ist" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Der Regierung in Österreich warf Bayerns Innenminister Joachim Herrmann vor, weiter "völlig unkoordiniert" plötzlich Busse mit Flüchtlingen an der grünen Grenze zu Deutschland abzustellen. "Es ist unzumutbar", sagte Herrmann. "Das kann so nicht laufen."

In der Bilderstrecke sehen Sie Bilder von der Situation an der österreichisch-deutschen Grenze.

Mehr zum Thema Flüchtlinge lesen Sie in unserem Dossier.

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(lsa/dpa/AFP)