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Krise am Eurotunnel
Großbritannien geht härter gegen illegale Einwanderer vor

Flüchtlingskrise: Großbritannien will härtere Maßnahmen am Eurotunnel
Tausende Flüchtlinge versuchen aus Calais in die Nähe des Eurotunnels zu gelangen - um es von dort aus nach Großbritannien zu schaffen. FOTO: afp, tlr
London. Die britische Regierung hat härtere Maßnahmen gegen illegale Einwanderung angekündigt: Haus- und Wohnungseigentümer, die an illegale Einwanderer vermieten, sollen mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden können.

Haus- und Wohnungseigentümer, die an illegale Einwanderer vermieten, sollen künftig mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden können, erklärte Staatssekretär Greg Clark am Montag in London. Diese verschärften Regelungen sollen in einen Gesetzentwurf zur Einwanderung aufgenommen werden, den die britische Regierung im Herbst dem Parlament vorlegen will.

Vermieter sollen Aufenthaltsstatus der Mieter prüfen

Clarks Angaben zufolge sollen die Vermieter illegale Einwanderer aus ihren Wohnungen verweisen -  beziehungsweise vor einer Vermietung den Aufenthaltsstatus ihrer potenziellen Mieter prüfen. Andernfalls drohen ihnen Haftstrafen. Bisher waren Geldstrafen für Vermieter vorgesehen. Darüber hinaus ist geplant, die Löhne illegaler Einwanderer zu beschlagnahmen.

Die konservative Regierung von Premierminister David Cameron fährt derzeit einen harten Kurs, um die zunehmende Zahl von Flüchtlingen zu verringern. Verschärft hat sich die Debatte durch den Flüchtlingsansturm auf der französischen Seite des Ärmelkanals: Seit Wochen versuchen immer wieder hunderte Flüchtlinge, im Schutze der Dunkelheit zum Eurotunnel vorzudringen. Sie hoffen, auf Lkw-Frachtzüge nach Großbritannien zu gelangen.

Fotos: So versuchen die Flüchtlinge, zum Eurotunnel zu gelangen FOTO: ap

Montagnacht 1700 Versuche, zum Eurotunnel zu gelangen

In der Nacht auf Montag zählte die Polizei rund 1700 Versuche von Flüchtlingen, auf das riesige Gelände um den Eurotunnel-Eingang zu gelangen. 1000 Versuche wurden Polizisten zufolge außerhalb des durch Zäune und Stacheldraht gesicherten Geländes abgewehrt. 700 Mal fingen die Sicherheitskräfte Flüchtlinge ab, die es bereits auf das Gelände und damit zu den Schienen zum Eurotunnel geschafft hatten. Die Zahl der Flüchtlinge liegt deutlich niedriger - viele von ihnen versuchen im Verlauf einer Nacht mehrere Male, zu den Zügen zu gelangen.

In der vergangenen Woche waren zwischenzeitlich bis zu 2300 Versuche in einer Nacht gezählt worden, zum Eurotunnel zu gelangen. Am Wochenende war die Zahl dann zunächst stark gesunken, auf 300 und 400 pro Nacht, bevor sie nun wieder anstieg.

Die Polizei, die in der vergangenen Woche um 120 Einsatzkräfte verstärkt wurde, patrouillierte die ganze Nacht am Tunnelgelände und drängte immer wieder Gruppen von Flüchtlingen zurück. Bis den Auseinandersetzungen wurde ein Beamter im Gesicht verletzt, als ein Flüchtling einen Stein aus einem Gleisbett auf ihn warf. Der Polizist musste ins Krankenhaus gebracht und genäht werden. Der sudanesische Flüchtling, der den Stein geworfen hatte, wurde festgenommen.

Fotos: Ansturm auf den Eurotunnel in Calais FOTO: afp, PH/vel

Zehn Migranten verunglückt

In Calais harren Behördenschätzungen zufolge derzeit rund 3000 Flüchtlinge aus, die meisten von ihnen aus Afghanistan, Äthiopien, Eritrea und dem Sudan. Bei ihren verzweifelten Versuchen, durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen, verunglückten seit Anfang Juni zehn Migranten tödlich.

Die Innenminister Frankreichs und Großbritanniens, Bernard Cazeneuve und Theresa May, riefen die anderen EU-Staaten am Wochenende zu Hilfe bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise aus. Zugleich betonten sie, für beide Länder habe das Vorgehen gegen illegale Grenzübertritte am Ärmelkanal "oberste Priorität". Bereits vergangene Woche hatte London zusätzliche zehn Millionen Euro für verstärkte Sicherheitsmaßnahmen zugesagt.

Wie illegale Flüchtlinge im "Dschungel" von Calais lebenl FOTO: AFP
(AFP)
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