Israels Armee dringt bis weit in den Libanon vor: Flugblätter sollen Hisbollah entmutigen
zuletzt aktualisiert: 02.08.2006 - 20:43Baalbek/Jerusalem (rpo). Israel hat über dem Süden des Libanons Flugblätter abgeworfen, die die Hisbollah zur Kapitulation bewegen sollen. Jeder Fluchtversuch sei aussichtslos, heißt es in dem Schreiben. Israel hat seine Militäroffensive im Libanon weiter ausgedehnt. Die Armee drang bis weit ins Landesinnere vor.
Israel hat seit Beginn seiner Angriffe im Libanon am 12. Juli immer wieder Flugblätter über dem Gebiet abgeworfen. Die meisten davon richteten sich gegen die Hisbollah oder deren Führer Scheich Hassan Nasrallah. Mehrfach wurden auch Bewohner von Grenzorten zum Verlassen ihrer Häuser aufgerufen.
Nach Angaben der israelischen Armee setzten Hubschrauber eine Kommandoeinheit mit rund 200 Mann in Baalbek ab. Die Soldaten hätten mindestens elf Hisbollah-Kämpfer getötet. Einwohner berichteten, die israelischen Soldaten hätten den Hubschrauber verlassen und sofort geschossen, es seien zahlreiche Zivilisten getötet oder verletzt worden.
Der Einsatz dauerte der Armee zufolge über vier Stunden; gegen vier Uhr seien die Soldaten wieder zurück in Israel gewesen. Generalstabschef Halutz sagte: "Wir wollten mit der Operation zeigen, dass wir überall im Libanon zuschlagen können. "
Nach Angaben eines Hisbollah-Sprechers stürmten israelische Soldaten ein Krankenhaus, das von der Hisbollah umstellt worden sei. Nach einigen Stunden hätten die Soldaten unter massiver Deckung aus der Luft das Krankenhaus wieder verlassen. Der Sprecher dementierte, dass die Armee Hisbollah-Kämpfer gefangen genommen habe.
Zwei Brücken zerstört
Im Norden des Libanon zerstörte die israelische Luftwaffe zwei Brücken. Wie die libanesische Polizei mitteilte, befanden sich die Ziele nur fünf Kilometer von Syrien entfernt. Bei einem Luftangriff auf eine Armeestellung bei Sarba oberhalb des Hafens von Sidon wurden drei libanesische Soldaten getötet.
Weitere Angriffe konzentrierten sich auf Ziele südlich der Hafenstadt Tyrus. Seit Beginn ihrer Offensive vor drei Wochen verursachte die israelische Armee nach libanesischen Angaben Zerstörungen in Höhe von fast 2,5 Milliarden Dollar (zwei Milliarden Euro).
Die Hisbollah reagierte auf die Angriffe mit massivem Raketenbeschuss. In einem Kibbutz bei Naharija starb dabei ein Mann; 19 weitere Israelis wurden verletzt. Insgesamt schlugen bis zum Abend nach Polizeiangaben mindestens 190 Raketen auf israelischem Gebiet ein - so viele wie nie zuvor an einem einzigen Tag. Mehrere Geschosse reichten dabei weiter als je zuvor, laut israelischem Rundfunk bis Beth Schean. Die Ortschaft ist mehr als sechzig Kilometer von der israelisch-libanesischen Grenze entfernt.
Israels stellvertretender Regierungschef Schimon Peres hatte noch am Dienstag behauptet, die Armee habe etwa drei Viertel der weit reichenden Hisbollah-Raketen vernichtet und sei "sehr nahe" daran, der Miliz den entscheidenden Schlag zu versetzen.
Bundesregierung will Ägypten einbinden
Regierungschef Olmert sagte in einem Interview mit dem britischen Fernsehen, wenn im Südlibanon eine internationale Truppe mit Kampfeinheiten stationiert sei, dann könne Israel den Beschuss einstellen. Die Truppensteller müssten Länder sein, die ein "echtes Interesse" an einem Wandel in der Region hätten. Frankreich sei ein "natürlicher Kandidat" für eine solche Truppe, aber auch Deutschland, Italien, Australien und die Türkei.
Die Bundesregierung will Ägypten stärker in Bemühungen um eine Lösung einbinden. Außenamtssprecher Martin Jäger sagte in Berlin, mit der Lage im Libanon solle sich das "Nahost-Quartett" befassen, zu dem die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Russland und die Vereinten Nationen gehören.
"Wir haben angeregt, dass sich das Quartett damit befasst und dass arabische Staaten assoziiert werden könnten", sagte Jäger. Dabei sei an "erster Stelle" Ägypten zu nennen. Der Europarat forderte eine "unverzügliche" Waffenruhe.
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