Bereits Verurteilter belastet Kameraden schwer: Folter-Skandal: Scherze über "Größe der Penisse"
zuletzt aktualisiert: 30.08.2004 - 21:04Fort Bragg (rpo). Die Anhörungen zur Folteraffäre von Abu Ghraib im Irak haben für die US-Soldatin Lynndie England und weitere Kameraden schwer Belastendes zu Tage gebracht. Der bereits verurteilte Militärpolizist Jeremy Sivits sagte am Montag per Telefon aus.
Sivits wurde am Montag in Fort Bragg im Bundesstaat North Carolina telefonisch befragt und sagte aus, er habe England bei der Misshandlung irakischer Gefangener gesehen. So hätten die 21-Jährige und Sergeant Javal Davis Häftlingen auf Finger und Zehen getrampelt. Zudem habe England Bemerkungen über die "Größe ihrer (der Gefangenen) Penisse" gemacht, sagte der bereits zu einem Jahr Haft verurteilte Sivits. Die von dem ebenfalls beschuldigten US-Militärpolizisten Charles Graner schwangere England hörte sich die Anschuldigungen ohne sichtbare Regung an.
England ist auf mehreren veröffentlichten Fotos von den Misshandlungen zu sehen. Sie posiert unter anderem hinter einer Pyramide nackter Gefangener; auf einem anderen Foto deutet sie auf das Geschlecht eines Häftlings, der mit anderen zur Masturbation gezwungen wurde. England habe auch selbst fotografiert und gelacht, sagte Sivits. Sergeant Ivan Frederick und Graner hätten Gefangene geschlagen. Einmal seien die Misshandlungen so schwer gewesen, dass eine Ärztin habe kommen müssen.
England drohen bis zu 38 Jahre Gefängnis
Nach einer Pause von mehreren Wochen wurden die Anhörungen am Montag wieder aufgenommen. Sivits ist der erste Zeuge, der aussagte, England bei Misshandlungen beobachtet zu haben. Insgesamt wurden England und sechs weitere Soldaten von der 372. Kompanie der Militärpolizei angeklagt, in die Misshandlungen verwickelt zu sein. Bei einer Verurteilung drohen England bis zu 38 Jahre Gefängnis. Höhere Ränge der Militärpolizei und Geheimdienste, die das Gefängnis leiteten, wurden bisher nicht zur Verantwortung gezogen.
Die Folteraffäre von Abu Ghraib war im April durch die Veröffentlichung von Fotos mit misshandelten irakischen Gefangenen bekannt geworden. Die Aufnahmen hatten weltweit Empörung ausgelöst und die Autorität der US-Streitkräfte vor allem in den moslemischen Ländern untergraben.
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