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Fragen und Antworten zum Wasserstreit zwischen Israel und Palästina

Im Nahen Osten herrscht große Wasserknappheit. Dessen Verteilung ist einer der großen Streitpunkte zwischen Israelis und Palästinensern. Menschenrechtsorganisationen werfen Israel eine Diskriminierung bei der Wasserverteilung vor. Israel betont hingegen, es habe seine in den Friedensabkommen festgelegten Verpflichtungen über die Lieferung von Wasser an die Palästinenser sogar übererfüllt. Fragen und Antworten:

 

Gibt es wirklich eine Ungleichheit der Wasserverteilung an Israelis und Palästinenser?

Es gibt auf jeden Fall eine Diskrepanz beim Wasserkonsum von Israelis und Palästinensern. Es herrscht jedoch Uneinigkeit über das Ausmaß der Ungleichheit und die genauen Gründe dafür.

Fragen und Antworten zum Wasserstreit zwischen Israel und Palästina

Welche Zahlen sind richtig?

Nach Informationen der internationalen Umweltschutzorganisation Friends of the Earth haben Palästinenser täglich durchschnittlich 70 Liter Wasser und Israelis 250 Liter Wasser zur Verfügung. Die Organisation betont jedoch, es gehe auch viel Wasser durch Diebstahl und illegales Anzapfen von Wasserleitungen durch palästinensische Landwirte verloren. Dies betreffe vor allem palästinensische Dörfer im Westjordanland. Nach Schätzungen gehen dadurch täglich etwa 30 Liter Wasser pro Kopf verloren - so dass Palästinenser eigentlich 100 Liter Wasser zur Verfügung hätten.

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Warum haben Israelis immer noch mehr Wasser zur Verfügung?

Israel kann im Kernland ungehindert seine eigene Wasserwirtschaft betreiben, im Westjordanland regelt jedoch eine gemeinsames Komitee beider Seiten die Wasserverteilung. Die Palästinenser haben damit keine freie Hand und können zum Beispiel nicht einfach neue Brunnen bohren. Es gibt auch Dörfer im südlichen Westjordanland, die mitunter nur an zwei Tagen in der Woche fließendes Wasser bekommen. Außerdem gibt es abgelegene Wohngebiete, die gar nicht an fließendes Wasser angeschlossen sind.

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Welche anderen Gründe gibt es für die Ungleichheit?

Israel verfügt nach Angaben von Friends of the Earth als hochmoderner Staat über eine sehr effiziente Wasserwirtschaft. Es hat unter anderem durch sehr fortschrittliche Entsalzungsanlagen mehr Wasser zur Verfügung. Die Palästinenser könnten daher vermutlich auch ohne alle Beschränkungen weniger Wasser konsumieren.

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Warum haben dann aber auch die israelischen Siedler im Westjordanland mehr Wasser zur Verfügung?

Wie die im Kernland lebenden Israelis können die Siedler im Westjordanland für gewöhnlich soviel Wasser konsumieren wie sie wollen. Ihre Versorgung wird von der nationalen Wassergesellschaft Mekorot gesichert, die allerdings auch Wasser an die Palästinenser verkauft.

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Und zur Frage der Blockade des Gazastreifens: Riegelt Israel das Palästinensergebiet am Mittelmeer weiter ab?

Israel hat die nach 2006 verhängte Blockade schrittweise gelockert. Es bestehen jedoch weiterhin strenge Reise- und Exportbeschränkungen. Israel kontrolliert die Grenzen sowie den Luft- und Seeraum. Die Einfuhr von Baustoffen wie Zement, die für den Bunker- und Tunnelbau missbraucht werden könnten, ist zurzeit gestoppt. Ebenso werden alle Materialien, die auch für den Waffenbau verwendet werden könnten, zurückgehalten.