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Einigung über "Mistral"-Schiffe
Hollande: Neue Käufer für Kriegsschiffe kein Problem

Francois Hollande zu Mistral: Neue Käufer für Kriegsschiffe kein Problem
In dem Streit zwischen Frankreich und Russland ging es um Kriegsschiffe vom Typ "Mistral". Das Foto wurde im November 2014 in Saint-Nazaire aufgenommen. FOTO: afp, vel
Paris/Moskau. Keine Kriegsschiffe aus Frankreich - jetzt will sie Russland selbst bauen. Mit dem Geld, dass Frankreich zurückzahlt. Für die beiden bestellten "Mistral"-Schiffe sieht Paris schon neue Käufer.

Nach dem geplatzten Verkauf zweier Kriegsschiffe an Russland rechnet Paris bereits mit neuen Interessenten. "Viele Länder interessieren sich für die beiden Schiffe", sagte Frankreichs Präsident François Hollande am Donnerstag am Rande eines Besuches in Ägypten. "Es ist für Frankreich überhaupt nicht schwierig, einen Abnehmer für diese Schiffe zu finden", zeigte sich der Staatschef zuversichtlich. Seinem Land entstünden dadurch auch keine zusätzlichen Kosten.

Frankreich hat russischen Medienberichten zufolge 1,1 Milliarden Euro an Russland wegen der verweigerten Auslieferung der Kriegsschiffe überwiesen. Darauf hätten sich beide Seiten geeinigt, nachdem Paris die etwa 200 Meter langen Hubschrauberträger vom Typ "Mistral" wegen der Ukrainekrise nicht ausliefern wollte, berichtete die Moskauer Zeitung "Kommersant" (Donnerstag).

Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian hatte zuvor nur gesagt, die Summe werde niedriger sein als der vereinbarte Kaufpreis von 1,2 Milliarden Euro. Der genaue Betrag werde bald dem Parlament mitgeteilt, weil es ein Gesetz zur Ratifizierung geben werde, sagte er im Radio RTL. Von einer bereits erfolgten Zahlung sagte er nichts.

Russland will das Geld für den Bau eigener Schiffe ähnlichen Typs verwenden. "Wir haben ein derartiges Projekt geplant - es werden keine Kopien der Mistral", sagte Oleg Botschkarjow, Vizechef der Rüstungskommission. Die russischen Schiffe könnten deutlich mehr Hubschrauber an Bord nehmen als die französischen.

Die "Mistral" eignet sich als schwimmende Kommandozentrale und zum Transport von Truppen und Ausrüstung bei Landeoperationen. Sie kann neben Booten auch schweres Gerät wie Panzer sowie Dutzende Hubschrauber tragen.

Kreml und Élyséepalast hatten nach monatelangem Streit am Vorabend eine Einigung verkündet. Das Rüstungsgeschäft war 2011 vereinbart worden, unter scharfer Kritik vor allem osteuropäischer Staaten.
Militärstrategen hatten gewarnt, die Stationierung eines russischen Hubschrauberträgers in der Ostsee werde die Verteidigungsplanung der Nato vor neue Herausforderungen stellen. Zudem könnte Russland etwa im Schwarzen Meer für Länder wie Georgien zur Bedrohung werden. Moskau hatte solche Befürchtungen zurückgewiesen.

Paris hatte bereits betont, an den Hubschrauberträgern seien mehrere Länder interessiert. "Kommersant" zufolge sollen China und Indien als potenzielle Abnehmer gelten. Der Direktor des Moskauer Zentrums zur Analyse des weltweiten Waffenhandels, Igor Korotschenko, zweifelt daran. "Frankreich wird die Schiffe kaum jemandem verkaufen können, weil sie für russische Anforderungen projektiert wurden", meinte er.

Frankreich wollte ursprünglich nur die 785 Millionen Euro erstatten, die Russland bereits gezahlt hatte. Moskau forderte aber auch Entschädigung für die Ausbildung von 400 Marinesoldaten sowie den Bau von Infrastruktur. Das wichtigste Argument sei gewesen, dass der Vertrag auf Initiative von Paris aufgekündigt wurde, hieß es.

(dpa)
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