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Regionalwahlen in Frankreich
Familie Le Pen feiert triumphale Erfolge

Hintergrund: FN - die französischen Rechtsextremen
Hintergrund: FN - die französischen Rechtsextremen FOTO: AFP
Paris. Die rechtsextreme Front National (FN) hat bei den Regionalwahlen in Frankreich etwa 28 Prozent erreicht und ist damit stärkste Kraft des Landes. Für FN-Chefin Marine Le Pen und ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen ist das auch ein persönlicher Triumph.

Beide sind Spitzenkandidatinnen ihrer Partei, und beide landeten bei der ersten Wahlrunde in ihrer jeweiligen Region ganz vorn: Marine Le Pen und ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen feierten die FN-Ergebnisse von Sonntagabend als persönlichen Sieg. Die beiden rechtsextremen Politikerinnen im Porträt.

Marine Le Pen - Parteichefin mit Präsidentschaftsambitionen

"Das ist ein wunderbares Ergebnis", triumphierte Marine Le Pen am Wahlabend. Für die Vorsitzende der Front National sind die Regionalwahlen aber nur ein Schritt hin zu einem größeren Ziel: Die 47-Jährige hat längst Kurs auf die Präsidentschaftswahlen 2017 genommen und will den Elysée-Palast erobern. Umfragen zufolge dürfte sie es zumindest in die Stichwahl schaffen. "Wenn ich es nicht in die zweite Runde schaffe, höre ich auf", sagte sie vor einigen Monaten.

Seit die blonde Anwältin mit der tiefen Stimme Anfang 2011 von ihrem Vater Jean-Marie Le Pen die Parteispitze übernahm, hat sie die Front National zu einer Reihe von Wahlerfolgen geführt. Unter ihr wurden die Rechtsextremen bei den Europawahlen 2014 erstmals stärkste Kraft in Frankreich.

"Das Kalkül des Front National ist rundum aufgegangen" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Damit ist ihre Strategie einer "Entteufelung" der Partei augenscheinlich aufgegangen: Die Parteichefin will der Front National mit einer Abkehr von den antisemitischen und offen rassistischen Parolen ihres Vaters ein respektableres Image verpassen und so neue Wähler gewinnen. Sie scheute nicht einmal davor zurück, den FN-Gründer aus der Partei zu werfen, als er erneut die NS-Gaskammern als "Detail" der Geschichte bezeichnete.

Dabei hat die 47-Jährige politisch ganz ähnliche Ansichten wie ihr Vater: An dem ausländer- und islamfeindlichen Kurs der Partei hält sie fest, sie setzt auf Nationalismus, lehnt die EU und den Euro ab und befürwortet die Todesstrafe. Und auch harte Parolen sind ihr nicht fremd: Weil sie vor einigen Jahren muslimische Gebete in der Öffentlichkeit mit der NS-Besatzung verglich, wurde ihr im Oktober der Prozess gemacht, das Urteil wird bald gesprochen.

Auch nach den Anschlägen vom 13. November wetterte die zwei Mal geschiedene Mutter von drei Kindern gegen Muslime, warnte vor einer "Islamisierung" Frankreichs. Wenn Frankreich sich nicht wehre, sagte sie bei einer Wahlkampfveranstaltung, werde eines Tages "die Scharia unsere Verfassung ersetzen".

Marion Maréchal-Le Pen - Nachwuchsstar mit Parlamentserfahrung

Maréchal-Le Pen wurde lange Zeit als die hübsche kleine Enkelin des FN-Gründers und Nichte der Parteichefin belächelt. Doch 2012 gelang der blonden Nachwuchspolitikerin eine kleine Sensation: Mit nur 22 Jahren zog sie als jüngste Abgeordnete in die Nationalversammlung ein. Dort tritt sie immer selbstsicherer auf und scheut auch Rededuelle mit dem wortgewaltigen sozialistischen Premier Manuel Valls nicht.

Marine Le Pen mit Marion Maréchal-Le Pen (Ende November bei einer Wahlkampfveranstaltung) FOTO: dpa, sn lb jai

Ihre politische Karriere begann sie in gewisser Weise als Zweijährige in den Armen ihres Großvaters: Anfang der 90er Jahre posierte Jean-Marie Le Pen für ein Wahlkampfplakat mit seiner strohblonden Lieblingsenkelin, der Tochter von Marine Le Pens älterer Schwester Yann.

Zwei Jahrzehnte später war es wieder der Familien-Patriarch, der sie ins Rampenlicht schob: Er drängte die widerwillige Jurastudentin zu ihrer Kandidatur bei den Parlamentswahlen 2012. Spitzenkandidatin in der südfranzösischen Provence-Alpes-Côte d'Azur wurde sie bei den jetzigen Regionalwahlen, weil ihr Großvater nach seinen erneuten antisemitischen Ausfällen auf eine Kandidatur verzichten musste.

Eine "Marionette" ihres Großvaters oder ihrer Tante will Maréchal-Le Pen aber nicht sein, wie sie selbst betont. So gilt die junge Abgeordnete etwa bei der Einwanderungspolitik als noch radikaler als die Parteichefin. Die strenggläubige Katholikin, Mutter einer kleinen Tochter, stand bei den Protesten gegen eine Einführung der Homo-Ehe an vorderster Front, während sich ihre Tante bedeckt hielt. Anders als ihre Tante und ihr Großvater ist sie aber gegen eine Wiedereinführung der Todesstrafe.

(felt/AFP/dpa)
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