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Regionalwahlen in Frankreich
Front National nach ersten Prognosen stärkste Kraft

Hintergrund: FN - die französischen Rechtsextremen
Hintergrund: FN - die französischen Rechtsextremen FOTO: AFP
Paris. Bei den Regionalwahlen in Frankreich ist die rechtsextreme Front National (FN) ersten Hochrechnungen zufolge stärkste Kraft geworden.

Drei Wochen nach den Anschlägen von Paris erreichte die Partei von Marine Le Pen am Sonntag bei der ersten Wahlrunde laut ersten Hochrechnungen französischer Fernsehsender zwischen 29,5 und 30,8 Prozent. Auf dem zweiten Platz landet das von den Republikanern von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy angeführte bürgerliche Parteienbündnis mit gut 27 Prozent. Die regierenden Sozialisten von Präsident François Hollande kommen zusammen mit einer linken Partei landesweit auf rund 23 Prozent. Sie können im zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag mit Unterstützung von Grünen und radikaler Linken rechnen, die zusammen bei gut zehn Prozent landeten. Den Prognosen zufolge landeten die Rechtsextremen von der FN in sechs der 13 französischen Regionen auf dem ersten Platz.

FN-Chefin Le Pen sprach von einem "wunderbaren Ergebnis, das wir mit Demut aufnehmen". Ihre Partei wolle eine "nationale Einheit schaffen, die das Land braucht". Die Tochter von Parteigründer Jean-Marie Le Pen war selbst in der nordfranzösischen Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie als Spitzenkandidatin angetreten - und landete den Prognosen zufolge mit 40 bis 42 Prozent der Stimmen mit großem Abstand an erster Stelle. Gute Chancen hat die Partei auch in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, wo Le Pens 25-jährige Nichte Marion Maréchal-Le Pen die FN-Liste anführt.

Die Front National hat noch nie in ihrer Geschichte eine Region angeführt. 30 Prozent in der ersten Runde wären zudem das beste Ergebnis in der Geschichte der Partei bei einer landesweiten Wahl. Unter der seit 2011 amtierenden Parteichefin Marine Le Pen hat der FN allerdings bereits zahlreiche Erfolge verbuchen können. Die 47-Jährige versucht seit Jahren, der Partei ein bürgerliches Image zu verpassen. Dabei verzichtet sie auf radikale Formulierungen, für die ihr Vater bekannt ist, der inzwischen ausgeschlossene Parteigründer Jean-Marie Le Pen. Gleichzeitig rückt sie aber nicht von den radikalen Positionen gegen Europa, den Euro, offene Grenzen oder Ausländer ab.

Bei der Präsidentschaftswahl 2012 holte Marine Le Pen als Kandidatin in der ersten Runde mit fast 18 Prozent bereits das bis dahin beste Ergebnis der Parteigeschichte. Ihr Vater hatte es 2002 zwar in die zweite Runde geschafft, aber weniger Stimmen auf sich vereinigt. Unter Marine Le Pens Führung stieg die FN dann bei der Europawahl 2014 mit fast 25 Prozent zur stärksten Partei in Frankreich auf.

Trotz zweistelliger Ergebnisse scheitert die FN immer wieder am französischen Mehrheitswahlrecht. So hat die Partei in den wichtigen Parlamentskammern Nationalversammlung und Senat jeweils nur zwei Sitze. Le Pen ist - wie ihr Vater - Abgeordnete im Europaparlament.

Nach den Anschlägen in Paris vom 13. November mit 130 Toten öffneten die Wahllokale am Sonntagmorgen unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Sicherheitsleute durchsuchten an den Eingängen von Wahlbüros Taschen, Polizisten und Soldaten patrouillierten verstärkt.

Zu den Wahlurnen gerufen waren 44,6 Millionen Franzosen, gewählt wurde in den 13 französischen Regionen und in vier Überseegebieten. Wer in den Regionalparlamenten - vergleichbar mit den deutschen Landtagen - künftig die Mehrheit hat und damit den Regionalpräsidenten stellt, wird voraussichtlich erst in der zweiten Wahlrunde in einer Woche entschieden. Es galt als unwahrscheinlich, dass eine Partei bereits im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit in einer Region erzielt.

Die Regionalwahlen haben eine besondere symbolische Bedeutung: Es sind die letzten großen Wahlen vor der Präsidentschaftswahl 2017. Dort hat Marine Le Pen gute Chancen, in die Stichwahl einzuziehen.

(felt/AFP/dpa)
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