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Früherer UN-Generalsekretär
Butros Butros-Ghali ist tot

Früherer UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali ist tot
FOTO: dpa
New York. Der frühere UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali ist tot. Der ägyptische Diplomat sei im Alter von 93 Jahren gestorben, teilte der UN-Sicherheitsrat am Dienstag in New York mit.

Boutros-Ghali war von 1992 bis 1996 sechster Generalsekretär der Vereinten Nationen und der erste Afrikaner auf diesem Posten. Seine Amtszeit war von den Konflikten in Jugoslawien und in Somalia sowie dem Völkermord in Ruanda geprägt.

Boutros-Ghali kam 1922 als Sohn koptischer Christen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zur Welt. Er stammte aus einer einflussreichen Familie, sein Großvater war Anfang des 20. Jahrhunderts Ministerpräsident in Ägypten. Durch sein Studium in Paris baute Boutros-Ghali eine enge Verbindung zu Frankreich und zur französischen Sprache und Kultur auf, die ein Leben lang anhielt.

Nachdem er sich als Rechtsprofessor an der Universität Kairo einen Namen gemacht hatte, wurde er im Oktober 1977 von Präsident Anwar al-Sadat zum Außenminister ernannt. Während der 14 Jahre in diesem Amt spielte er eine wichtige Rolle beim Abschluss des ägyptisch-israelischen Abkommens von Camp David 1978 und des Friedensvertrages 1979. Zudem war er ein wesentlicher Architekt der Afrika-Politik seines Landes.

Im Jahr 1992 wurde er mit Unterstützung Frankreichs an die Spitze der Vereinten Nationen gewählt. Seine Amtszeit war geprägt vom Zerfall Jugoslawiens, dem Völkermord in Ruanda und dem Bürgerkrieg in Somalia. In allen drei Fällen versagten die entsandten Blauhelmtruppen beim Versuch, eine Eskalation zu verhindern. Als Ende 1993 in Somalia 18 US-Soldaten getötet wurden, gab Washington Boutros-Ghali eine Mitverantwortung.

Der UN-Generalsekretär geriet mit der US-Regierung auch wegen der Sanktionspolitik gegen den Irak Saddam Husseins aneinander. Als 1996 seine Wiederwahl anstand, verhinderte Washington per Veto eine zweite Amtszeit. Boutros-Ghali fühlte sich auch dafür bestraft, dass er die israelische Politik im Libanon kritisiert und darauf gedrungen hatte, dass die USA und andere Länder ihre ausstehenden UN-Beiträge begleichen.

1997 wurde Boutros-Ghali zum Generalsekretär der Internationalen Organisation der Francophonie (OIF) gewählt und hatte die Leitung der Vereinigung der französischsprachigen Länder bis 2002 inne. Boutros-Ghali litt bereits seit Jahren unter gesundheitlichen Beschwerden. Vergangene Woche wurde der 93-Jährige in ein Krankenhaus in Kairo gebracht, wo er nun verstarb.

(felt/dpa/AFP)
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