Politiker starb mit 85 Jahren: Früherer US-Außenminister Haig gestorben
zuletzt aktualisiert: 20.02.2010 - 18:24Washington (RPO). Der frühere US-Außenminister Alexander Haig ist am Samstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Der Vier-Sterne-General diente unter den Präsidenten Richard Nixon, Gerald Ford und Ronald Reagan, mit einer eigenen Kandidatur für das Weiße Haus scheiterte er im Nominierungswahlkampf der Republikaner 1988.
Von 1974 bis 1979 war er NATO-Oberbefehlshaber in Europa; wenige Tage vor seiner Rückkehr in die USA entging er in Belgien knapp einem Sprengstoffanschlag einer unbekannten Terrorgruppe.
Haig starb nach Angaben seiner Kinder Alexander und Barbara im Kreis seiner Familie im Johns-Hopkins-Krankenhaus in Baltimore. Der 85-Jährige sei Komplikationen nach einer Infektion erlegen.
Haig wurde am 2. Dezember 1924 in Philadelphia geboren und träumte schon als Junge von einer Militärkarriere. Ein Onkel mit Kontakten zum Kongress verschaffte ihm 1943 einen Platz an der Militärakademie West Point. Als Offizier nahm er an den Kriegen in Korea und Vietnam teil. Seine politische Karriere begann 1969, als der damalige Sicherheitsberater Henry Kissinger ihn zu seinem militärischen Assistenten berief. Haig habe sich schnell "unentbehrlich" gemacht, schrieb Kissinger später über seinen Schützling.
Für Aufsehen sorgte Nixons Entscheidung 1972, Haig vom Zwei-Sterne- zum Vier-Sterne-General zu befördern. Haig wurde damit Vorgesetzter von 240 Generälen, die bis dahin in der Militärhierarchie über ihm gestanden hatten. Ein Jahr später, inmitten des Watergate-Skandals, war Haig rechte Hand Nixons.
"Graue Eminenz" während der Watergate-Affäre
Während der Turbulenzen um die Abhöraffäre ernannte Nixon Haig zum Nachfolger H.R. Haldemans als Stabschef im Weißen Haus. Haig beriet Nixon 1973 bei seiner Verteidigung im drohenden Amtsenthebungsverfahren - dazu kam es wegen Nixons Rücktritt 1974 nicht mehr. Haig soll als "graue Eminenz" in dieser Zeit die Amtsgeschäfte fast allein geführt haben. Haig soll es auch gewesen sein, der Nixon schließlich von der Notwendigkeit des Rücktritts überzeugt haben soll - um nicht als erster Präsident in die US-Geschichte einzugehen, der seines Amtes enthoben wird.
Haig gilt als treibende Kraft für die Entscheidung von Nixons Nachfolger Gerald Ford, seinen Vorgänger für alle während seiner Amtszeit begangenen Straftaten zu begnadigen. Es gilt als sicher, dass dies Fords Niederlage gegen den demokratischen Kandidaten Jimmy Carter bei der Präsidentenwahl 1976 besiegelte. Ford schob Haig nach seinem Amtsantritt 1974 als NATO-Oberbefehlshaber nach Europa ab - offenbar, um ihn aus der amerikanischen Innenpolitik zu entfernen.
In Europa wurde Haig skeptisch empfangen, erwarb sich aber mit seinem Verständnis für die besonderen Probleme der europäischen NATO-Partner Respekt. Seine Amtszeit auf dem im Kalten Krieg zentralen Posten in der Allianz wurde zweimal verlängert. Haig setzte sich für ein Standardisierung der Waffensysteme und Verstärkung der konventionellen Streitkräfte ein. 1979 schied er aus der NATO-Zentrale in Brüssel aus.
Außenminister und Machtverlust unter Reagan
Nach Reagans Wahlsieg wurde er 1981 Außenminister. Nach 17 Monaten schied er 1982 aus: Interne Machtkämpfe und eine ungeschickte Äußerung nach dem Attentat auf Reagan 1981 hatten seine Position im engsten Washingtoner Zirkel untergraben. Vor allem vom damaligen Vizepräsidenten George W. Bush wurde Haig verübelt, dass er Stunden nach den Schüssen auf Reagan in Washington erklärte: "Von nun an habe ich bis zur Rückkehr des Vizepräsidenten die Kontrolle im Weißen Haus." Bush war da auf dem Weg von Texas nach Washington; Haigs Äußerung wurde von einigen in der Hauptstadt als unzulässiger Griff nach der Macht kritisiert.
Haigs Verstrickung in den Watergate-Skandal um Nixon dürfte seinem großen politischen Ziel, selbst einmal US-Präsident zu werden, geschadet haben. 1988 wollte er republikanischer Präsidentschaftskandidat werden: Er sah sich selbst als "Dark Horse" - Außenseiter. Noch vor der ersten Vorwahl in New Hampshire gab er auf. Jahrelang wurde in Washington spekuliert, Haig sei die ominöse Figur mit dem Decknamen "Deep Throat" gewesen, die die "Washington Post"-Redakteure Bob Woodward und Carl Bernstein mit wichtigen Details über den Watergate-Skandal versorgt habe. Haig dementierte das, schließlich wurde der FBI-Agent Mark Felt als "Deep Throat" enttarnt.
Haig wurde auch für trockene Kommentare bekannt. Auf die Frage eines Richters, wie eine achtzehneinhalb Minuten lange Lücke in den Nixon-Tonbandaufzeichnungen im Weißen Haus zu erklären sei, sagte er: "Vielleicht ist da eine dunkle Macht hineingekommen." Und Reagans Wirtschaftspolitik habe mit "fiskalischer Schwammigkeit" und "ideologischer Religiosität" zur Verdopplung der Staatsverschuldung 1987 auf zwei Billionen Dollar geführt.
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