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G20-Gipfel in Hamburg
Merkel muss Trump einfangen

G20-Gipfel in Hamburg: Angela Merkel muss Donald Trump einfangen
Trump und Merkel beim G7-Gipfel in Sizilien im Mai dieses Jahres. FOTO: ap, EV
Meinung | Berlin. Es ist richtig, dass die Bundeskanzlerin gegenüber US-Präsident Trump nun härter auftritt. Aber sie darf ihn auch nicht persönlich isolieren. Im Interesse der G20 – und auch im Interesse der Deutschen – liegt es vielmehr, ihn zu gemeinsamen Bekenntnissen bei Freihandel und Klimaschutz zu bewegen. Von Birgit Marschall

Es steht 19 zu eins im Vorfeld des G20-Gipfels in Hamburg. Donald Trump will beim Klimaschutz nicht mitmachen – und er ziert sich beim Thema Freihandel. Alle übrigen G20-Staaten versammeln sich dagegen hinter Merkel. Als stärkstes Glied unterstützt auch China den Klimaschutz und den Freihandel. Merkel kann das recht sein, doch liegt in einer solchen Allianz gegen Trump auch eine Gefahr: Diese Situation treibt den US-Präsidenten in die Enge, und unter Druck schlägt Trump in der Regel um sich, er wird aggressiv.

Deshalb ist es richtig, wenn Merkel einerseits neue Allianzen schmiedet und gegenüber Trump jetzt härter auftritt als zuvor. Merkel ist wohl zu Recht jetzt zu der Überzeugung gekommen, dass Trump nur klare und harte Worte versteht, mit diplomatischem Worten kommt sie bei ihm nicht weiter. Entsprechend deutlich wurde die Kanzlerin vergangene Woche bei ihrer Regierungserklärung im Bundestag zum G20-Gipfel. Dort warnte sie Trump und die USA vor den schlimmen Folgen des Isolationismus.

Andererseits darf Merkel den US-Präsidenten mit der narzisstischen Persönlichkeitsstruktur aber auch nicht persönlich isolieren und vor der Weltöffentlichkeit demütigen. Im G20-Interesse, aber insbesondere auch im deutschen Interesse liegt es, den Präsidenten am Ende einzufangen – und ihn zu gemeinsamen Bekenntnissen zum Freihandel und zum Klimaschutz zu bewegen. Die USA sind einfach zu wichtig, um auf Dauer auf sie verzichten zu können. Schotten sie sich ab, würde das der deutschen Wirtschaft enorm schaden.

Die USA sind mit Abstand der wichtigste Exportmarkt für deutsche Unternehmen. Ein Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten könnte den deutschen Aufschwung zum Erliegen bringen. Verhindert der G20-Gipfel einen Handelskrieg, den Trump mit Strafzöllen auf Stahlimporte beginnen könnte, wäre viel gewonnen.

Die deutsche Seite versucht mit dem Argument zu überzeugen, dass deutsche Unternehmen zu den größten ausländischen Direktinvestoren in den USA gehören. Sie haben dort schon fast 700.000 Jobs geschaffen, und Jobs sind es doch, die Trump dem amerikanischen Arbeiter so dringlich bringen möchte.

Ohne die Mithilfe der Vereinigten Staaten, die größten Emittenten von Treibhausgasen, lässt sich auch der Klimawandel nicht stoppen. Trumps Veto beim Klimaschutz geht zu Lasten kommender Generationen, seiner eigenen Kinder und eigenen Enkel. Die Bedeutung des Klimawandels nicht nur für die Natur und die Lebensgrundlagen der Menschen, sondern auch für das weltweite Wirtschaften, wird weiterhin unterschätzt: Der Klimawandel wird das Weltwirtschaftswachstum bremsen, den Wohlstand vieler Menschen schmälern.

Man kann nur ersehnen, dass die verheerende Ära Trump nach einer Amtszeit schon zu Ende ist.

 
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