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  Foto: IMF, AFP
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Gipfel in Pittsburgh: G20 zwischen Protest und Glamour

VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 25.09.2009 - 21:17

Pittsburgh (RP). Sie repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung, rund 85 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft und 80 Prozent des Welthandels. Selbstwusst präsentierten sich die G20 in Pittsburgh und trotz aller Meinungsunterschiede handlungsfähig.

Der Gastgeber amüsiert sich prächtig. Gerade kommt Jacob Zuma, der Präsident Südafrikas, auf dem roten Teppich auf ihn zugelaufen. Zuma möge doch bitte die Weltwirtschaft retten, ruft ihm Barack Obama launig zu, und zwar "bis morgen".

Im Glashaus des botanischen Gartens steigt die Gipfel-Gala, ein Essen der Staats- und Regierungschefs, dessen Atmosphäre Insider hinterher als überraschend harmonisch beschreiben. Harmonie ist auch das Schlüsselwort der Partnerschaftsübung, die Angela Merkel und Peer Steinbrück vor deutschen Journalisten bieten, spätabends in einem historischen Hotel in Pittsburgh. Wie sie Witze machen, einander Stichworte zuwerfen ­niemand käme auf die Idee, dass Bundestagswahl ist und die beiden Rivalen sind.

Der Finanzminister hängt noch fest beim Dinner mit seinen Kollegen, die Kanzlerin ist als Erste da und fängt schon mal an. "Sie können das gerne ergänzen oder kommentieren, das wäre sicherlich hilfreich, aber im Prinzip habe ich das den Journalisten schon erzählt", sagt sie, als er den Raum betritt. Darauf Steinbrück: "Haben Sie auch gesagt, dass wir bei der Begrenzung der Größe der Banken nicht ganz zufrieden sind?" - "Ich habe gesagt, dass wir da noch einen Zeitrahmen brauchen." - "Dann sind wir da ja auch einer Meinung."

Anderswo in der Geisterstadt Pittsburgh, von 4000 Polizisten und Soldaten so hermetisch abgeriegelt wie eine Drittwelt-Metropole nach einem Militärputsch, gehen Fernduelle über die Bühne. Höflich, aber keineswegs harmonisch. Vor der blauen Wand eines sterilen Saals stellt sich Timothy Geithner hinter ein schmales Pult und redet über den Welthandel. "Wir Amerikaner haben zu viel gekauft, andere zu wenig. Das muss besser ausbalanciert werden".

Vor der blauen Wand eines Luxushotels setzen sich daraufhin fünf Spitzenbeamte aus Peking an einen Tisch. Geithner soll eine Antwort bekommen, sofort. Die Einladung zur Pressekonferenz hat jemand auf ein Blatt Papier gekritzelt und dutzendfach kopiert. Es sollte schnell gehen, und irgendwo muss ein Drucker gestreikt haben. "Niemand darf neue Schranken des Protektionismus aufstellen", warnt Wu Hailong, Generaldirektor im Außenministerium. "Neue Barrieren schaden nur." Er meint, ohne dass er es ausspricht, die neuen US-Zölle auf chinesische Reifen.

Am Ende schiebt sich doch alles zusammen. Hinter den Kulissen arbeiten die "Sherpas", die Spezialisten für Gipfelpapiere, mit rot geränderten Augen daran, die Klammern aus den Texten zu tilgen. Klammern stehen für unfertige Passagen, für Differenzen. Man feilt an klassischen Kompromissen, etwa bei den Banker-Boni. Die Kontinentaleuropäer setzen das Grundprinzip durch: Bonuszahlungen sollen nicht mehr über Jahre garantiert werden, sondern sich am Erfolg des Unternehmens orientieren.

Quelle: RP

 
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