Lateinamerika-Afrika-Gipfel in Venezuela: Gaddafi fordert Gründung einer "Nato des Südens"
zuletzt aktualisiert: 27.09.2009 - 09:57Porlamar (RPO). Libyens Staatschef Muammar Gaddafi hat sich für die Gründung eines Gegengewichts zur Nato ausgesprochen. Afrika und Lateinamerika müssten eine "Nato des Südens" gründen, sagte Gaddafi zum Auftakt des zweiten Lateinamerika-Afrika-Gipfels in Porlamar in Venezuela. Und erhielt die Unterstützung von Venezuelas Präsident Hugo Chavez.
Bereits bei der UN-Vollversammlung in der vergangenen Woche hatte der seit vier Jahrzehnten regierende libysche Staatschef Muammar al Gaddafi für einen Eklat gesorgt. Es war sein erster Auftritt bei den Vereinten Nationen. In einer deutlich zu langen und wütenden Rede beschimpfte er die Organe der Weltorganisation. Dabei zerriss Gaddafi einen Teil der UN-Charta. Etliche Delegierte verließen den Plenarsaal der UN-Vollversammlung.
Beim Lateinamerika-Afrika-Gipfel legte jetzt Gaddafi nach. Zusammen mit Venezuelas Präsident Hugo Chavez forderte der libysche Staatschef Südamerikas und Afrikas Staats- und Regierungschefs auf, nach einer neuen Weltordnung zu streben. Diese solle die wirtschaftliche Dominanz des Westen brechen.
Das 21. Jahrhundert werde "eine multipolare Welt" hervorbringen, sagte Chavez am Samstag zum Auftakt eines Gipfeltreffens auf der venezolanischen Karibikinsel Margarita. "Afrika wird ein wichtiger geografischer, wirtschaftlicher und sozialer Pol. Und Südamerika wird das auch sein." Zuvor hatte er seine Gäste aus 28 Nationen mit den Worten begrüßt: "Dies ist der Anfang der Rettung unseres Volks."
Gaddafi sagte, die Welt bestehe nicht nur aus den fünf Ländern im UN-Sicherheitsrat. "Die Weltmächte wollen weiter an ihrer Macht festhalten. Als sie die Gelegenheit hatten, uns zu helfen, haben sie uns wie Tiere behandelt, unser Land zerstört. Jetzt müssen wir kämpfen, um unsere eigene Macht zu errichten."
Chavez sagte, die Länder Südamerikas hätten sich darauf verständigt, eine vom Internationalen Währungsfonds (IWF) unabhängige eigene regionale Entwicklungsbank zu gründen. Diese Banco del Sur solle zunächst mit 20 Milliarden Dollar ausgestattet werden. "Lula, jetzt müssen wir das Geld finden", wandte sich Chavez anschließend scherzend an Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva.
Es wird damit gerechnet, dass die Gipfelteilnehmer am Sonntag eine Erklärung verabschieden, in der globale Organisationen wie die Vereinten Nationen und die Weltbank aufgefordert werden, armen Ländern mehr Einfluss einzuräumen.
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