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Gericht in Libyen
Gaddafi-Sohn Saif al-Islam in Tripolis zum Tode verurteilt

Gaddafi-Sohn Seif al-Islam in Haft
Gaddafi-Sohn Seif al-Islam in Haft FOTO: afp, -
Tripolis. Ein Gericht in Libyen hat den Sohn des gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam, zum Tode verurteilt. Die Richter in Tripolis sprachen ihn am Dienstag unter anderem wegen Mordes und Korruption schuldig, wie die staatliche Nachrichtenagentur berichtete. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Seif al-Islam Gaddafi ist allerdings in der Hand einer Miliz, die sich weigert, ihn der Zentralregierung in Tripolis zu übergeben. Neben ihm wurden acht Vertraute des langjährigen Machthabers, darunter der frühere Regierungschef Baghdadi al-Mahmudi und der ehemalige Geheimdienstchef Abdullah Senussi, zur Hinrichtung durch ein Erschießungskommando verurteilt. Ihnen wurden Verbrechen während des blutig bekämpften Aufstands gegen Gaddafi im Jahr 2011 vorgeworfen. 

In dem nordafrikanischen Staat rivalisieren zwei Regierungen und zwei Parlamente, das Land ist faktisch in einen östlichen und einen westlichen Teil gespalten. Die Miliz, die Seif al-Islam Gaddafi gefangen hält, unterstützt die international anerkannte Regierung in Tobruk und widersetzt sich jener in Tripolis. Schlichtungsversuche der Vereinten Nationen haben bislang wenig gebracht.

Der Prozess gegen den einst als Gaddafis Nachfolger auserkorenen al-Islam hatte im April in der libyschen Hauptstadt begonnen. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hatte sich 2014 vergeblich um eine Auslieferung des Gaddafi-Sohns bemüht. Der IStGH hatte auf dem Höhepunkt der Revolte Haftbefehl gegen ihn und Senussi wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen. Anschließend entbrannte ein Streit zwischen Tripolis und Den Haag darüber, vor welchem Gericht sich die beiden Männer verantworten sollten.

(dpa/AFP/ap)
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