Offenbar Aufenthaltsort bekannt: Gaddafi wohl in Wüstenstadt Bani Walid
zuletzt aktualisiert: 01.09.2011 - 14:34Tripolis (RPO). Der gestürzte libysche Machthaber Muammar Gaddafi hält sich nach Informationen des regierenden Übergangsrats derzeit in der Wüstenstadt Bani Walid auf. Dies habe ihnen eine vertrauenswürdige Person mitgeteilt, sagte der Militärkoordinator des Übergangsrates in Tripolis, Abdel Madschid, am Donnerstag.
Die algerische Zeitung "El Watan" hatte zuvor berichtet, Gaddafi habe sich um Asyl bemüht, der algerische Präsident habe seine Telefonanrufe jedoch nicht entgegengenommen. Algerien hat Gaddafis Ehefrau und drei seiner Kinder aufgenommen. Auf die Frage, ob auch Gaddafi Asyl erhalten könne, sagte der algerische Außenminister am Donnerstag, er denke nicht, dass das möglich sei.
Bani Walid, der angebliche Aufenthaltsort Gaddafis, liegt rund 150 Kilometer südöstlich der Hauptstadt. Gaddafi habe sich drei Tage nach dem Fall von Tripolis vergangenen Woche dorthin begeben. Er sei von seinem Sohn Saif al-Islam und Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi begleitet worden.
Zwei der Gaddafi-Söhne sollen sich zuvor mit widersprüchlichen Botschaften zu Wort gemeldet haben: Seif al Islam rief die Anhänger seines Vaters zum Widerstand auf, während al Saadi mit den Rebellen über ein Ende des Blutvergießens verhandeln will. Beide äußerten sich innerhalb weniger Minuten in Telefonanrufen bei arabischen Fernsehsendern.
Seif al Islam sagte dem TV-Sender Al-Rai in Syrien, die Bewohner von Bani Walid, einer der letzten verbliebenen Hochburgen der Gaddafi-Anhängern, hätten sich darauf geeinigt, ihr Land bis zum Tod zu verteidigen. Die verbliebenen Unterstützer seines Vaters rief er auf, "Tag und Nacht" gegen die Rebellen zu kämpfen. "Greift diese Ratten an", sagte er. Er selbst halte sich außerhalb von Tripolis auf, sagte Seif al Islam. Seinem Vater gehe es gut.
Kurz zuvor bot Gaddafis Sohn al Saadi den Rebellen Gespräche an. "Das Wichtigste ist, das Blutvergießen zu stoppen", sagte al Saadi dem arabischen Fernsehsender Al Arabija. Er spreche im Namen seines Vaters und der Militärkommandeure. Die Rebellen könnten das Land führen. "Das macht uns nichts aus. Wir sind alle Libyer", erklärte er.
"Wir haben kein Problem damit, ihnen die Macht zu übertragen." Auf die Frage, ob er bereit sei, sich zu stellen, sagte al Saadi: "Wenn meine Kapitulation ein Ende des Blutvergießens bedeutet, werde ich das tun." Seif al Islam sagte, sein Bruder stehe unter Druck. Er mache sich große Sorgen um seine Familie.
Kein Asyl für Gaddafi in Algerien
Bereits zuvor hatte ein Kommandeur der Aufständischen in der Hauptstadt Tripolis, Abdel Hakim Belhadsch, mitgeteilt, dass al Saadi versucht habe, die Bedingungen für seine eigene Aufgabe zu verhandeln. "Sie müssen sich nur den Rebellen ergeben, und wir werden ihnen ein faires Verfahren geben. Wir werden mit ihnen aber über nichts verhandeln", sagte Abdel Hafis Ghoga, Sprecher des Übergangsrats.
Der Aufenthaltsort Gaddafis war weiterhin nicht bekannt. Die Rebellen sammeln weiter Hinweise über seinen Verbleib. Der Militärchef der Rebellen in Tripolis, Abdel Hakim Beinaj, sagte, wahrscheinlich halte sich Gaddafi nicht länger in der Hauptstadt auf. Kämpfer der Rebellen seien auf drei verbliebene Hochburgen der Anhänger des alten Regimes vorgerückt: Gaddafis Heimatstadt Sirte, Ben Walid und Sabha.
Exaußenminister festgenommen
Die Rebellen nahmen nach eigenen Angaben den Außenminister des Gaddafi-Regimes gefangen. Ein Berater im Innenministerium der Übergangsregierung, Ahmed Said, bestätigte am Donnerstag die Festnahme. Vor einer Woche hatte Außenminister Abdul Ati al Obeidi im britischen Sender Channel 4 erklärt, die 42-jährige Herrschaft Gaddafis sei vorüber.
EU hebt Sanktionen gegen Libyen teilweise auf
Die EU hat ihre Sanktionen gegen Libyen teilweise aufgehoben. Das eingefrorene Vermögen von 28 Unternehmen wie Häfen, Banken und Firmen des Energiesektors sei wieder freigegeben worden, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Donnerstag in Brüssel. Ziel sei es, dem Nationalen Übergangsrat der Rebellen und dem libyschen Volk Ressourcen für den Wiederaufbau der Wirtschaft des Landes zukommen zu lassen.
"Die EU hat in Anbetracht der Entwicklungen vor Ort sehr schnell reagiert", sagte Ashton. Die teilweise Aufhebung der Sanktionen sei ein "klares Zeichen", dass die EU die Libyer in der Übergangsphase nach dem Sturz von Machthaber Muammar el Gaddafi unterstützen wolle. Die EU werde ein "starker und engagierter Partner" Libyens sein.
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