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Muammar Gadhafi panorama un-charta ap 2009
  Foto: AP, AP
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Eklat bei Vollversammlung in New York: Gaddafi zerreißt UN-Charta

zuletzt aktualisiert: 23.09.2009 - 19:34

New York (RPO). Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi hat bei seinem ersten Auftritt bei den Vereinten Nationen für einen Eklat gesorgt. In einer wütenden Rede warf er der UN vor, ihre eigene Charta zu brechen. Gleichzeitig hielt er ein Exemplar hoch und zerriss einige Seiten.

In der Präambel sei vorgeschrieben, dass alle Länder unabhängig von ihrer Größe gleichberechtigt seien, sagte Gaddafi vor den Spitzenpolitikern der 192 Mitgliedsländer. Trotzdem seien die meisten Staaten nicht im fünfzehnköpfigen Sicherheitsrat vertreten, die fünf Vetomächte hätten das alleinige Sagen.

"Das akzeptieren wir nicht, und das erkennen wir nicht an", führte er sichtlich erregt fort, hielt ein Exemplar der Charta hoch und zerriss einige Seiten. Zudem erklärte er, die Besetzung des UN-Sicherheitsrats mit Nuklearmächten sei "Terrorismus". "Er sollte nicht Sicherheitsrat heißen, er sollte Terrorrat heißen", schlussfolgerte er.

Billionen-Entschädigung für Kolonialzeit gefordert

Gaddafi widmete sich auch Afrika und forderte 7,77 Billionen Dollar (rund 5,26 Billionen Euro) als Entschädigung für die Kolonialzeit gefordert. Wenn die westlichen Länder nicht zahlten, würden sich die Afrikaner das Geld zurückholen, sagte Gaddafi am Mittwoch vor der UN-Vollversammlung in New York. Er spreche "im Namen von 1000 afrikanischen Königreichen", erklärte der libysche Revolutionsführer, der bei seiner ersten Rede während einer Generaldebatte der Vereinten Nationen ein sandfarbenes Gewand mit einem Anstecker in der Form des afrikanischen Kontinents trug.

Zudem forderte Gaddafi die Abschaffung des Vetorechts der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats. Er sprach sich für eine Aufnahme weiterer Mitgliedstaaten in den Weltsicherheitsrat aus, um das höchste Entscheidungsgremium der UN den veränderten Machtverhältnissen in der Welt anzupassen.

Lob zollte Gaddafi US-Präsident Barack Obama für dessen erste Rede vor der UN-Vollversammlung. Obama ist in seiner Ansprache vom Führungsanspruch der USA abgerückt und hat die Staatengemeinschaft zu gemeinsamem Handeln im Kampf gegen die weltweiten Probleme aufgerufen. Er rief zu einer neuen Ära der Zusammenarbeit auf.

Das Plenum der Vollversammlung hatte sich bei Gaddafis Rede etwa zur Hälfte geleert. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton und die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice verließen den Saal.

Quelle: AP/can

 
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