Mindestens 14 Tote bei Militäroperationen im Gazastreifen: Gaza: Armee rückt in Flüchtlingslager ein
zuletzt aktualisiert: 07.03.2004 - 12:04Gaza (rpo). In zwei Flüchtlingslager des autonomen Gebiets sind israelische Truppen in der Nacht zum Sonntag eingerückt. Zuvor hatte es Anschläge auf einen Kontrollpunkt zwischen Israel und dem Gazastreifen gegeben. Wieder gab es zahlreiche Opfer.
Bei heftigen Gefechten wurden 14 Palästinenser getötet und 81 weitere verletzt, wie die Behörden im Gazastreifen mitteilten. Unter den Getöteten waren neben sechs militanten Palästinensern drei Jungen im Alter von acht, zwölf und 15 Jahren.
Hintergrund der neuen Gewalt ist offenbar der Plan des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, bei einem Scheitern der Friedensgespräche die Truppen aus dem Gazastreifen abzuziehen. Sowohl die palästinensischen Untergrundgruppen sowie die israelischen Streitkräfte sind bemüht, einen etwaigen Abzug der Soldaten als eigenen Sieg erscheinen zu lassen.
Nach israelischer Darstellung rückten die Truppen am Sonntagmorgen in die Flüchtlingslager Bureidsch und Nusseirat ein, um die dortige terroristische Infrastruktur zu zerschlagen. Die Soldaten durchsuchten Häuser nach Waffen, fanden aber keine, wie der Kommandeur der Aktion, Oberst Joel Strick, mitteilte. Die palästinensischen Kämpfer hätten Panzerfäuste eingesetzt und mehrere Sprengsätze zur Detonation gebracht, hieß es. Augenzeugen zufolge wurden die Soldaten von Heckenschützen angegriffen, die sich auf Dächern verschanzt hatten. Am Mittag zogen sich die Truppen wieder zurück.
Wie palästinensische Behörden mitteilten, kappten die Soldaten Telefon- und Stromleitungen und beschädigten ein Treibstofflager. Der palästinensische Kabinettsminister Sajeb Erakat verurteilte die Razzien und forderte Israel auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Zur selben Zeit, zu der sie (die Israelis) von einem Rückzug aus dem Gazastreifen sprechen, zerstören sie ihn", sagte er.
Zu dem Angriff auf den Grenzübergang Eres am Samstag bekannten sich die Hamas, der Islamische Dschihad und die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden mit Verbindungen zur Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat gemeinsam. Bei der Attacke wurden nach israelischen Angaben mindestens vier Extremisten und zwei palästinensische Polizisten getötet, die die Attentäter aufhalten wollten. Mit einem Taxi und zwei als Jeeps getarnten Fahrzeugen waren die Angreifer vor den Kontrollpunkt gefahren und hatten zwei der Fahrzeuge zur Explosion gebracht. Opfer auf israelischer Seite gab es nicht. Der Grenzübergang, den täglich 19.000 palästinensische Arbeiter passieren, wurde geschlossen.
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