Westjordanland und Gazastreifen abgeriegelt: Gaza: Jüdische Siedler drohen mit Bürgerkrieg
zuletzt aktualisiert: 10.09.2004 - 14:41Jerusalem (rpo). Angesichts der geplanten Räumung des Gazastreifens haben am Freitag jüdische Siedler mit einem Bürgerkrieg in Israel gedroht. Im Gazastreifen leben derzeit rund 8.000 jüdische Siedler. Trotz der Drohungen bleibt Sharon offenbar bei seinem Plan.
Ministerpräsident Ariel Scharon habe kein Mandat für einen solchen Rückzug, sagte Elieser Hasdai, Vorsitzender einer Siedlervereinigung, im israelischen Radio. Falls dieser ohne Volksbefragung durchgeführt werde, gebe es zwei Möglichkeiten: Die Soldaten könnten den Evakuierungsbefehl verweigern, oder "es kommt zu einer Art Bürgerkrieg".
Im Gazastreifen leben rund 8.000 jüdische Siedler. Scharon bekräftigte in einem am Freitag veröffentlichten Interview der "Jerusalem Post", er werde seinen Plan ungeachtet der Drohungen umsetzen. Die jüngsten Äußerungen Hasdais zeigen indes, dass die Spannungen zwischen Abzugsgegnern und -befürwortern zunehmen. Die Zeitung "Maariv" zitierte ihn mit den Worten: "Wenn jemand (in den Gazastreifen) kommt und das Grab meiner Tochter berührt, sei es ein Soldat oder der Stabschef, werde ich ihn erschießen." Im Radio ergänzte er: "Eine Kugel reicht aus, und es wird zu einem Bürgerkrieg kommen."
Der Ausbau von Siedlungen im Westjordanland kann nach den Worten Scharons unvermindert und ohne Widerstand aus Washington fortgesetzt werden. Bedingung sei, das er unauffällig vonstatten gehe, wie der Ministerpräsident in dem Interview sagte. Auf die Frage der "Jerusalem Post", ob es mit den USA eine stille Übereinkunft über einen begrenzten Siedlungsausbau gebe, sagte Scharon: "Ja, wir können in den großen Siedlungen weiterbauen." Das wäre ein offener Verstoß gegen die Roadmap, den internationalen Friedensplan, zu dem sich die USA nach wie vor öffentlich bekennen. "Wenn wir Grundsteinlegungen feiern, Pressekonferenzen geben und erklären, was wir machen, bringt es (die USA in) Schwierigkeiten", sagte Scharon.
Wegen der bevorstehenden jüdischen Feiertage riegelten die israelischen Streitkräfte am Freitagmorgen das Westjordanland und den Gazastreifen ab. Damit können tausende Palästinenser nicht zu ihren Arbeitsplätzen in Israel gelangen. Die Regelung soll bis Anfang Oktober gelten. Am Mittwoch beginnt das jüdische Neujahrsfest, zehn Tage später wird Jom Kippur begangen, am 29. September folgt das einwöchige Sukkot-Fest.
Die Gewalt dauerte dennoch an. Bei Angriffen der Streitkräfte im nördlichen Gazastreifen wurde ein Palästinenser getötet. 13 weitere erlitten Verletzungen, teilten Augenzeugen und ein Militärsprecher mit. Auch ein israelischer Soldat sei verletzt worden. Die Streitkräfte beschossen Ziele aus der Luft sowie von Panzern aus. Zur Begründung der Militäraktionen hieß es, aus dem Gebiet seien Raketen auf jüdische Siedlungen abgefeuert worden.
Im Westjordanland vereitelten israelische Sicherheitskräfte unterdessen einen Bombenanschlag: Ein Mann hatte in seinem Taxi zehn Kilogramm Sprengstoff verborgen, als er an einem Kontrollpunkt bei Nablus angehalten wurde. Bevor die Soldaten das Auto untersuchen konnten, warf er die Bombe aus dem Fenster. Sie wurde kontrolliert zur Detonation gebracht. Nach israelischen Angaben hatte der Geheimdienst Schin Bet einen Hinweis erhalten, wonach die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden eine Bombe aus Nablus heraus schmuggeln wollten.
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