| 14.58 Uhr

Ausschreitungen im Gaza-Streifen
Dutzende Palästinenser bei neuen Protesten verletzt

Gaza: Mehr als 100 verletzte Palästinenser bei neuen Protesten
Erneut Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischem Militär entlang der Grenze zum Gaza-Streifen. FOTO: rtr, SAL/
Gaza/Tel Aviv. Es ist der dritte Freitag, an dem palästinensische Massen in Gaza protestieren: Tausende Demonstranten schwenken an der Grenze zu Israel Palästinenserflaggen und verbrennen israelische Fahnen. Wieder fallen im Grenzbereich Schüsse, es gibt viele Verletzte.

Bei neuen Massenprotesten an Israels Grenze zum Gazastreifen sind am Freitag mindestens 112 Palästinenser verletzt worden. Einige hätten Schussverletzungen erlitten, andere Tränengas eingeatmet, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit. Ein Sanitäterzelt sei direkt von einer Tränengasgranate getroffen worden, zehn Sanitäter hätten mit Atembeschwerden zu kämpfen gehabt.

Ein israelischer Armeesprecher sagte, seit den Morgenstunden hätten Tausende von Palästinensern an fünf Stellen entlang der Grenze an Ausschreitungen teilgenommen. Sie schwenkten demnach Palästinenserflaggen, verbrannten israelische Fahnen und Reifen. Es habe mehrere Versuche gegeben, die Grenzanlage zu beschädigen oder durchbrechen. Palästinenser hätten auch Brandsätze geworfen. "Die Soldaten setzen Mittel zur Auflösung von Demonstrationen ein und schießen gemäß den Einsatzregeln", sagte der Armeesprecher.

Israelischer Militär spricht von "Terroristen"

Seit Ende März sind bei Massenprotesten entlang der Gaza-Grenze 34 Palästinenser getötet worden, Hunderte erlitten Schussverletzungen. Ein ranghoher israelischer Militärangehöriger sagte am Freitag, die meisten der getöteten Palästinenser seien "Terroristen" gewesen. Auch der vor einer Woche getötete Fotojournalist Jassir Murtadscha habe ein Gehalt von der radikal-islamischen Hamas erhalten. Entsprechende Vorwürfe Israels waren von palästinensischer Seite vehement dementiert worden. Der Tod des Journalisten hatte weltweit für Empörung gesorgt.

Israel hat Vorwürfe von Menschenrechtsorganisationen, es gehe zu hart gegen die Palästinenser-Proteste vor, entschieden zurückgewiesen. Nach Angaben der Armee haben Soldaten Anweisungen, nur auf die Beine von Palästinensern zu schießen, sofern der Grenzzaun beschädigt oder eigene Soldaten gefährdet werden. Israel hat die Bevölkerung im Gazastreifen immer wieder davor gewarnt, sich dem Grenzzaun zu nähern.

Anlass des "Marsches der Rückkehr", der bis Mitte Mai dauern soll, sind die Feiern zum 70. Jahrestag der Gründung Israels. Für die Palästinenser bedeutet Israels Freudentag eine Katastrophe, weil 1948 Hunderttausende Palästinenser fliehen mussten oder vertrieben wurden.
Forderungen der heute rund fünf Millionen Flüchtlinge und Nachkommen auf ein "Recht auf Rückkehr" auf israelisches Staatsgebiet lehnt Israel ab.

"Ihr werdet uns niemals brechen"

Vor den neuen Protesten hatte Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman die Einwohner des Gazastreifens und die dort herrschende Hamas zu einem Kurswechsel aufgerufen. "Ihr werdet uns niemals brechen", sagte Lieberman. "Ihr solltet anfangen, nicht mehr darüber nachzudenken, wie ihr den Staat Israel zerstören könnt, sondern wie ihr Seite an Seite mit Israel existieren könnt - das wäre besser für die Einwohner von Gaza, von Israel und die gesamte Region."

Die Hamas wird von EU, USA und Israel als Terrororganisation eingestuft. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahne geschrieben und strebt die gewaltsame Einrichtung eines islamischen Palästinas auf dem Gebiet zwischen Mittelmeer und Jordan-Fluss an.

(wer/dpa)
 
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