Israelische Truppen rücken in Flüchtlingslager Dschebalja ein: Gazastreifen: 31 Tote bei neuer Großoffensive
zuletzt aktualisiert: 30.09.2004 - 21:53Jerusalem (rpo). Etliche Menschen haben am Donnerstag bei einer israelischen Großoffensive und anschließenden Kämpfen palästinensischen Kämpfern im Gazastreifen ihr Leben verloren. Erstmals seit Jahren rückte die israelische Armee wieder ins Zentrum des Flüchtlingslagers Dscherbalja vor.
Die israelische Großoffensive im Gazastreifen führte zu den blutigsten Gefechten in den Autonomiegebieten seit zweieinhalb Jahren. Insgesamt kamen in den Kämpfen sowie bei einem palästinensischen Angriff 28 Palästinenser und drei Israelis ums Leben. Für die Palästinenser war es der verlustreichste Tag seit April 2002, als im Westjordanland 35 Menschen dem gewaltsamen Konflikt zum Opfer fielen. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon billigte am Abend eine Ausweitung der Offensive.
Allein aus dem Flüchtlingslager Dschebalija wurden rund 20 Tote und mehr als 130 teils Schwerverletzte gemeldet. Dort kam es zu schweren Zusammenstößen, nachdem israelische Truppen erstmals seit vier Jahren ins Zentrum des Lagers eingerückt waren. Dutzende bewaffnete Palästinenser stellten sich den Truppen entgegen. Hunderte Anwohner strömten auf die Straßen, einige warfen Steine auf die Kettenfahrzeuge.
Allein beim Einschlag eines Panzergeschosses wurden nach Krankenhausangaben mindestens sieben Palästinenser getötet und mehr als 20 verletzt. Viele von ihnen verloren Arme und Beine. Die Streitkräfte erklärten, sie hätten auf den Angriff einer Gruppe von Militanten reagiert, die einen Panzerwagen beschossen und drei Soldaten verletzt hätten. Offenbar seien mehrere Kinder in der Nähe dieser Gruppe gewesen, sagte Generalmajor Dan Harel. Er äußerte sein Bedauern über Verletzte in der Zivilbevölkerung.
"Ich wurde getroffen und fiel zu Boden", berichtete der zehnjährige Ahmed Salem. "Der Mann neben mir hatte keinen Kopf mehr." Die israelischen Truppen rissen nach Berichten von UN-Mitarbeitern 22 Häuser entlang der Zufahrtsstraße ins Zentrum ab. Auch in die Mauer um eine Schule der Vereinten Nationen nahe dem Marktplatz des Lagers riss ein Panzer ein Loch, Soldaten gingen dort in Stellung. Zwei Mitglieder der Hamas wurden von israelischen Truppen getötet, nachdem sie einen Soldaten bei Dschebalija erschossen hatten.
Weitere Ausweitung der Offensive beschlossen
Verteidigungsminister Schaul Mofas beschloss derweil eine weitere Ausweitung der Offensive im nördlichen Gazastreifen. Mofas habe diese Entscheidung nach Gesprächen mit der Militärspitze und dem Geheimdienst getroffen, verlautete aus Sicherheitskreisen. Scharon stellte sich hinter den Plan seines Verteidigungsministers. Eine Zustimmung des gesamten Kabinetts wurde noch für den späten Abend erwartet. Die Offensive ist eine Reaktion auf den wiederholten Raketenbeschuss israelischer Grenzstädte. Bei einem weiteren solchen Angriff kamen am Mittwoch in Sderot zwei israelische Kinder ums Leben.
In der Siedlung Elei Sinai Nahe der Grenze zu Israel erschossen Militante nach Militärangaben am Donnerstag eine israelische Joggerin sowie einen Mann, der Erste Hilfe leisten wollte. Auch zwei Angreifer seien getötet worden. Zu dem Anschlag bekannte sich die Hamas.
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