"Hätten Auschwitz bombardieren sollen": Gedenkstätten-Besuch rührt Bush zu Tränen
zuletzt aktualisiert: 11.01.2008 - 19:17Jerusalem (RPO). Der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem zum Abschluss seiner Reise in das Heilige Land hat US-Präsident George W. Bush offenbar sehr berührt. Man hätte Auschwitz seinerzeit bombardieren sollen, wurde Bush von Zeugen zitiert.
Dem Präsidenten hätten zwei Mal Tränen in den Augen gestanden, sagte der Leiter der Gedenkstätte, Avner Schalev, am Freitag. Vor Luftaufnahmen des Vernichtungslagers Auschwitz habe Bush Außenministerin Condoleezza Rice zu sich gerufen und sie gefragt, warum sich die US-Regierung damals gegen einen Angriff des KZs entschieden habe. "Wir hätten es bombardieren sollen", zitierte Schalev den Präsidenten.
Bush will schon im Mai erneut in den Nahen Osten reisen, um den Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern voranzutreiben, wie er unmittelbar vor seiner Abreise in Tel Aviv ankündigte. Es bestehe eine gute Aussicht für Frieden, und er wolle dabei helfen, sagte er bei seiner Verabschiedung.
Auf der nächsten Station seiner achttägigen Reise, im ölreichen Kuwait, warb Bush ebenfalls um Unterstützung für den Friedensprozess. Außenministerin Rice, die Bush begleitete, erklärte jedoch, es sei unrealistisch zu erwarten, dass arabische Regierungen Israel, ihrem historischen Erzfeind, plötzlich entgegenkämen. Allerdings sei die Teilnahme an der Friedenskonferenz von Annapolis schon ein erster Schritt gewesen. Wenn die Gespräche zwischen Palästinensern und Israel Ergebnisse zeigten, würden die arabischen Länder vermehrt zur Unterstützung des Prozesses bereit sein, sagte Rice.
Bush traf in Kuwait den Emir, Scheich Sabah Al Ahmed Al Sabah, zu politischen Gesprächen. Darüber hinaus sollte er den US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, und den dortigen Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte, General David Petraeus, treffen, um sich über die Lage im Nachbarland zu informieren.
Während des Besuchs in Jad Vaschem war Bush sichtlich bewegt. Er legte einen Kranz in den Nationalfarben der USA nieder und entzündete eine Fackel zum Gedenken an die Getöteten. Er sprach von einer ernüchternden Mahnung, dass dem Bösen Widerstand entgegengesetzt werden müsse. "Am meisten hat mich beeindruckt, dass Menschen angesichts des Horrors und des Bösen ihren Gott nicht aufgegeben haben. Angesichts unaussprechlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit haben mutige Seelen sich für das starkgemacht, woran sie glaubten", sagte Bush. Ins Gästebuch von Jad Vaschem schrieb der Präsident die Worte: "Gott segne Israel."
Die Gedenkstätte war am Freitag für die Öffentlichkeit geschlossen, der Besuch fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Bush wurde unter anderem vom israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert begleitet. Es war Bushs zweiter Besuch in Jad Vaschem nach 1998, damals war er Gouverneur von Texas. Anschließend reiste Bush zu den biblischen Stätten in Galiläa. Zu seinen Stationen zählten der See Genezareth und der Ort, an dem Jesus die Bergpredigt gehalten haben soll.
In Ramallah im Westjordanland hatte Bush den Palästinensern am Donnerstag Unterstützung bei der Bildung eines eigenen Staates zugesagt. Er rechne binnen eines Jahres mit einem unterschriebenen Nahost-Friedensvertrag, sagte Bush.
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