Irakkrieg: Geheimdienst warnte vor falschen Informationen
zuletzt aktualisiert: 07.11.2005 - 07:42Washington (rpo). Die US-Regierung hat trotz Warnungen des Militärgeheimdienstes vor dem Irakkrieg höchst zweifelhaften Informationen über angebliche Verbindungen zwischen dem Irak und dem Terrornetzwerk El Kaida vertraut. Wie aus US-Regierungsdokumenten hervorgeht, hatte der Geheimdienst die Hinweise eines gefangenen Gefährten von El-Kaida-Chef Osama bin Laden bereits im Februar 2002 als "vorsätzlich irreführend" bewertet.
Dennoch sei US-Präsident George W. Bush acht Monate später mit den Anschuldigungen an die Öffentlichkeit getreten, El-Kaida-Kämpfer seien im Irak in der Herstellung von Giften und Gasen ausgebildet worden. Die fragwürdigen Informationen fanden auch Eingang in die Rede des damaligen US-Außenministers Colin Powell vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
Der vormals geheime Bericht beinhaltet eine kritische Analyse der Aussagen von Ibn el Schaich el Libi, dem Bin-Laden-Gefährten. Der hochrangige Ausbilder in einem El-Kaida-Lager in Afghanistan habe in Verhören Auskunft über die angebliche Ausbildung von Kämpfern des Terrornetzwerks im Umgang mit Gift- und Chemiewaffen gegeben, doch die Informationen seien vom US-Geheimdienst als nicht glaubwürdig eingestuft worden. So hätten Libbis Aussagen an verschiedenen Stellen Lücken aufgewiesen, etwa bei der Ortsangabe zu dem Ausbildungslager. Die Schlussfolgerung lautete, dass der Befragte entweder Einzelheiten nicht kannte oder, was wahrscheinlicher sei, seine Befrager "vorsätzlich irreführt".
Diese neuen Informationen führten erneut in "dramatischer" Weise vor Augen, dass die Erklärungen der Regierung vor dem Irak-Krieg "irreführend" waren, sagte Senator Carl Levin. Der Demokrat hatte sich im Streitkräfteausschuss des Senats für die Veröffentlichung der geheimen Dokumente eingesetzt.
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